Das Auerbacher Schloss – Wandern an der Bergstraße

Das Auerbacher Schloss – Wandern an der Bergstraße

Bensheim Auerbach, Bergstraße

Es ist wieder einer dieser wunderschönen, warmen Oktobertage, die viel zu schade dafür sind, um sie zu Hause zu verbringen und an denen es mich hinaus zieht, raus in die Sonne und die Natur.

Also mache ich mich auf zu einem jeder Ziele, das schon seit einer ganzen Weile in meinem Kopf herum spuckt. Das Auerbacher Schloss in Bensheim an der Bergstraße. Das Schloss und die Gegend sind mir an und für sich nicht unbekannt, da ich einen Teil meiner Kindheit in Auerbach verbrachte. Seit ich allerdings das letzte Mal oben auf dem Auerbacher Schloss war, muss es schon Jahrzehnte her gewesen sein.

Zur damaligen Zeit hatte mich der Park Fürstenlager ungeheuer fasziniert. Der kleine, künstlich angelegte Teich mit seiner romantischen Holzbrücke und die Schwäne, die fast reglos auf der Wasseroberfläche ruhten, hatten etwas beruhigendes an sich und war oft Ziel meiner Spaziergänge.

Auch jetzt laufe ich an dem Gewässer vorbei, in dem sich braune Blätter spiegeln. Die Schwäne sind nicht da. Dann und wann sieht man ein Pärchen spazieren oder ein älteres Ehepaar, das ungeachtet der vielen miteinander verbrachten Jahre immer noch wie zwei Jugendliche auf der Bank sitzt und sich an den Händen hält. Die warme Oktobersonne verfängt sich in den Blättern der Bäume und lässt ihre verborgenen Herbstfarben erstrahlen. Die mächtigen, alten Stämme der Platanen sehen wie die Säulen einer Kathedrale aus. Ich folge den Schildern und biege einen schmalen, steilen Wanderweg nach oben ab.

Ich mag das Wandern und der Sonnenschein lädt heute geradezu dazu ein. Trotzdem: Wenn ich zu diesem Zeitpunkt bereits wüsste, wie umfangreich die Wanderstrecke ausfällt, hätte ich auf der Stelle kehrt gemacht und wäre geradewegs ins Auto gestiegen.

Ab und an kommen mir andere Spaziergänger entgegen, während ich bestmöglich versuche, mich an die Schilder zu halten. Wissen die vielleicht, wie man zum Schloss gelangt?
„Guten Tag!“
„Guten Tag!“ Sie laufen weiter, die Gelegenheit, zu fragen, verstreicht.

Immer wieder bleibe ich stehen und zücke meine Kamera. Es gibt so viel Interessantes zu sehen, Dinge, an denen ich zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht achtlos vorbei gelaufen wäre. Nun sehe ich in fast allem potentielle Fotomotive; mit den Augen eines Fotografen scanne ich meine Umgebung ab. Pflanzen, Pilze, Blätter, rot wie Blut, eine ungewöhnliche Wurzelformation… Urwaldartig und verschlungen wachsen die Bäume hier. Eine nicht enden wollende Vielfalt, die sich auf den gesamten Wald erstreckt. Kein Wunder, dass ich nicht allzu schnell vorbei komme.

Minute um Minute verstreicht. Eine Stunde. Anderthalb. Immer wieder tauchen an Weggabelungen Schilder mit der Aufschrift Auerbacher Schloss auf und machen mir Mut.

Unterhalb eines Abhangs sehe ich einen grünen, zugewachsenen Teich, über den eine Metallbrücke führt. Zack… im Kasten. Manchmal lichtet sich der Wald und gibt die Aussicht auf ein schönes Bergpanorama in der Ferne frei.

Je tiefer ich mich in den Wald hinein bewege, umso kühler wird es. Also ziehe ich meine gefütterte Weste wieder an, die ich mir im Sonnenschein und Übermut vor zwanzig Minuten vom Leib gerissen habe. So langsam schleicht sich leises Unbehagen in meinen Kopf ein. Die Stunden vergehen, es wird kühler und die Burg ist immer noch nicht in Sicht. Die Sonne fängt an, sich gen Westen zu neigen und irgendwann beginnt auch die Gegend für mich, immer gleich auszusehen. Immer wieder checke ich übers GPS meinen Standort. Das kann doch nicht sein… Laut GPS scheint es, als würde ich mich von der Burg entfernen…?

Auch die Hinweisschilder tauchen irgendwann nicht mehr auf. Also muss ich unterwegs eines davon verpasst haben. Hätte ich abbiegen sollen? Ich laufe ein Stück zurück, bis hin zum letzten Schild. Als mir klar wird, dass es versucht, mich über die Schnellstraße auf die andere Seite der Bergkette zu lotsen, gebe ich auf. So weit ist das Schloss doch gar nicht von Auerbach entfernt…? Ich weiß noch, wie wir damals als Kinder zu Fuß hoch gelaufen sind. So weit hatte ich den Weg nicht in Erinnerung…

Ich kehre um und laufe wieder zurück. Schnellen Schrittes überquere ich das Waldstück, das ich bisher zurück gelegt hatte, vorbei an diesen seltsam verzweigten Baumwurzeln, die wie kleine, grüne Männchen dastehen und über mich lachen, vorbei am Fürstenlager. Die Sonne sinkt immer tiefer. Ich muss mich beeilen, wenn aus der Schlossbesichtigung heute noch was werden soll.

Manche der Gebilde, die ich fotografiere, sehen für mich einfach nur eigenartig aus. Die obere Formation erinnert mich stark an ein Wesen, das mit angewinkelten Beinen am Baumstamm lehnt…

Wenn diese Steine leben würden, was würden sie uns sagen?

„Nicht umdrehen, nicht blinzeln…!“ (Aus: Dr. Who)

Unten steige ich in mein Auto, stelle das Navi und bin tatsächlich in weniger als zehn Minuten da. Der Weg den Berg hoch wird immer steiler und immer schmaler, Kurve um Kurve fahre ich stetig nach oben. Von Zeit zu Zeit bleibe ich am Wegesrand stehen, um einen ungeduldigen Ortskundigen vorbei zu lassen. So geht es weiter, bis hinter der x-ten Kurve die Umrise der Burg abzeichnen. Dann parke ich mein Auto. Geschafft! Und das keine Minute zu früh, denn die Sonne küsst bereits den Horizont und taucht die Burg in ein sagenhaftes Licht.

Ich durchquere den Burghof, versuche, mir den Alltag von damals vorzustellen. Die Spitzbogenfenster haben etwas gotisches und die Verzierungen sind zum Teil noch erhalten. Ansonsten ist das Auerbacher Schloss eher eine Ruine.

Ich steige einen Turm über die schmale Wendeltreppe hoch. Oben treffe ich auf ein Pärchen, das allen Anschein nach ungestört sein möchte, denn mein Auftauchen wird mit missmutigen Blicken begrüßt. Es wird immer kälter und hier oben heult der Wind. Doch die Aussicht ist sagenhaft, insofern interessiert mich die Kälte herzlich wenig. Und auch die beiden Turteltäubchen suchen irgendwann das Weite.

Die sanften Berghügel im Licht der untergehenden Sonne, das Farbspiel der Bäume, die von Weitem wie ein goldbraun wogendes Meer aussehen… Die Weinreben, golden inmitten von Grün. In der Ferne zeichnen sich schattenhaft die Umrisse der Starkenburg ab.

Als die Sonne erlischt und die Kälte plötzlich spürbarer wird, steige ich wieder in mein Auto und fahre denselben kreisenden, kurvigen Weg wieder zurück. Bergab und im Kreis, bergab und im Kreis…

Es wird dunkel, als ich in Mannheim ankomme. Der Himmel über Neckarau begrüßt mich mit einem flammenden, leuchtenden Farbspiel; Orange wechselt mit lila und blau. Doch auch dieses Spektakel erlischt bald.

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