Rügen – Das Sandskulpturenfestival auf Binz

Rügen – Das Sandskulpturenfestival auf Binz

Wogender Weizen zieht an uns vorbei, als wir in gemächlichem Tempo entlang der Felder fahren. Kornblumen ziehen sich wie große, blaue Flecken inmitten von Gold und Grün und verleihen der Landschaft Farbe. Ich schaue mal nach links, mal nach rechts – ab und zu blitzen Wasserflächen in der Landschaft auf oder in der Ferne ist gar die Ostsee zu sehen. Wir sind unterwegs nach Binz.

Hier auf Rügen scheint die Zeit generell ein bisschen langsamer zu laufen. Wir tuckern mit gemütlichen 90- 100 km die Straße entlang, was ich als ungeheuer entspannend empfinde, nachdem ich das Auto die zweihundert Kilometer von Wismar bis hierher mit 180-2010 Sachen die Autobahn entlang gejagt habe. Stefan, der neben mir schlief, bekam davon glücklicherweise nichts mit; nun macht er langsam die verschlafenen Äuglein auf und blinzelt in die Sonne.

 

Hochzeit am Schweriner See

Gestern, am Samstag, stand der Tag voll und ganz im Zeichen der anstehenden Hochzeit. In der Schweriner Innenstadt parkten wir das Auto und fanden uns kurze Zeit später, gelackt und gestriegelt, vor dem Rathaus ein. Am Rathaus selbst herrschte Hochbetrieb; überrascht beobachteten wir, wie ein Hochzeitspaar nach dem anderen hinein geleitet und getraut wurde, um anschließend mit großem Getöse, von einer Traube Gäste umringt das Rathaus wieder zu verlassen. Es hatte was von Las Vegas, nur ohne Blink Blink und ohne Elvis. Eines der Hochzeitspaare ließ sich von einem Motorradkorso begleiten. Die Biker ließen ihre Maschinen an und drehten kräftig am Gasgriff – unter lautem Brummen vibrierte die Luft.

Am Platz selbst fand zur selben Zeit eine CSD-Veranstaltung statt: bunte Regenbogenfahnen schmückten eine Bühne und aufgetakelte Drag Queens stolzierten hin und her.

In einem Lokal am Schweriner See ging die Hochzeitsfeier weiter – eine schönere Location hätte sich das Paar nicht aussuchen können. Filigran spiegelte sich das Schloss im grünem Wasser und kleinere und größere Boote schipperten den See entlang. Irgendwann stahl ich mich davon und legte mich in eine Hängematte, die, zwischen zwei Weiden gespannt direkt am Wasser hing. Vom Wasser kam ein warmer, weicher Wind, ab uns zu drangen ein paar Sonnenstrahlen durch die Äste der Bäume. Absolute Ruhe, die Stimmen der anderen Gäste drangen wie ein gleichmäßiges Rauschen an meine Ohren. Hier und jetzt hätte ich einschlafen können, es war der perfekte Sommertag.

Am späten Abend drang Musik aus dem Saal und ein Feuerwerk erleuchtete den sich verdunkelnden Himmel. Das Schloss zeichnete sich pechschwarz vom roten Streifen des Sonnenuntergangs ab und ab und zu erhellte das aufsteigende Feuerwerk die Schlossmauern für einen winzig kleinen Augenblick, ehe es als bunter Regen in die spiegelglatte Wasserfläche rann. Am Steg spielte jemand mit künstlichen Feuern, Lichteffekten – wie tausend Funken, die sich im Kreis drehten, bis sie erlöschten.

Den Eis-Pionier…

…entdeckten wir am Samstag bei einem Spaziergang durch die Schweriner Innenstadt, als wir uns nach der Trauung die Zeit bis zum Treffen am See vertrieben. Das Brautpaar tat, was Brautpaare nach erfolgter Trauung so tun – es verzog sich für Hochzeitsbilder, die Bilder für die Ewigkeit, die liebevoll ins Album geklebt, gestreichelt um anschließend, noch Jahre später, immer und immer wieder angesehen zu werden.

Wir machen also einen Spaziergang durch die Fußgängerzone und ich versuche, das Drücken der schicken, hohen Schuhe zu ignorieren, die ich eigens zu dem Anlass heute spazieren trage. Es ist warm, die Sonne scheint, hm – ein Eis wäre jetzt eine tolle Idee. Und dabei stolpern wir über den Eis-Pionier, der mit original DDR-Softeis wirbt. Stefan kriegt feuchte Augen und wird plötzlich ganz nostalgisch.

Die Auswahl der Eissorten ist begrenzt – DDR halt…- es gibt Erdbeer-Vanille oder Schoko-Vanille, im Becher oder in einer Waffel-Muschel (leider habe ich hier kein Foto: die Dinger sehen aus wie Austern). Doch die Zusätze reißen es raus, hier kann man wählen zwischen Streusel, Süßkram und drei Soßen.

Tolle, originelle Idee mit dem DDR-Eis und ich mag tolle, originelle Ideen. Aber schmeckt das Softeis denn auch? Ich habe keinen Vergleich, schaue dafür Stefan fragend an. Hier müsste sich doch die geschmackliche Erlebniswelt aus seiner Kindheit in seinem Gaumen auftun – oder? „Die Schokolade ist gut, doch die Vanille war früher cremiger.“ Ja, an das Ideal der Kindheit kommt oftmals so schnell nichts heran…

Probiert es aus, wenn Ihr gerade mal in Schwerin seid; ist ganz lecker, der Laden befindet sich direkt an der Shoppingmeile im Zentrum der Stadt.

Das Sandskulpturenfestival

Und nun sind wir wieder auf der Insel, der Hochzeitstrubel ist rum, die schicken Klamotten liegen in der Ecke und der Tag gehört nur uns.

Die scheinbare Beschaulichkeit des Ortes trügt: Binz ist das wohl bekannteste – und touristischte – Ostseebad auf Rügen und die knapp 3 km lange Strandpromenade ist zur Hochsaison regelmäßig überfüllt. Deshalb lassen wir die Stadt links liegen und steuern das Auto gleich zur Festwiese, wo in einem großen Zelt die Ausstellung untergebracht ist. Gefühlt hätte mir die Sache an einem Strand am Meer besser gefallen, doch als ich die Kunstwerke sehe, verstehe ich, warum – die sehr detaillierte Ausarbeitung der Formen und Skulpturen muss vor Witterung geschützt werden und ist im Zelt besser aufgehoben.

Entdeckt habe ich die Ausstellung aus reinem Zufall, als ich vorgestern bei meiner Ankunft auf der Insel an einem kleinen Werk am Stra

Künstler aus aller Welt haben hier Hand angelegt, interessiert schaue ich die Bilder und Namen durch. Russland, Litauen, Lettland, Holland, Polen, USA… die Besatzung ist bund gemischt und genauso international gehalten in Zeichen von wachsendem Nationalismus ist auch die Ausstellung selbst. Ein Spaziergang inmitten der Sandskulpturen ist zugleich eine imaginäre Reise durch die ganze Welt: Die Werke verkörpern in einfacher, starker Symbolik Länder und Kontinente, sind ohne Frage schön und zum Teil auch politisch. Afrika, USA, Australien, Umwelt und Klima – alles wird einmal thematisiert. Und auch eine kleine, futuristische Ecke hat ihren Platz gefunden: neben der Landung auf dem Mond (die Darstellung der Erde, vom Weltall aus gesehen ist einfach nur genial gelungen…) entdecke ich schwarze Löcher und Zeitreisetunnel. Fehlt nur noch die Tardis (für alle, die nicht wissen, was eine Tardis ist… hier ein Link).

Auf dem Weg nach draußen haben wir noch die Möglichkeit, neugierige Fragen zu stellen, ehe sich der Mitarbeiter weiterer Kundschaft zuwendet. So werden die Skulpturen in keinster Weise durch Zusätze fixiert; es ist wohl tatsächlich nur Sand und Wasser, das da bei der Gestaltung zum Einsatz kommt. Das Geheimnis der exakten Ausarbeitung liegt wohl in dem speziellen Sand, der eigens für die Ausstellung von extern erworben wird und, im Gegensatz zum Sand von den Stränden, kantige Körner besitzt, die für eine höhere Stabilität sorgen. Manchmal wird der Sand vom Vorjahr wiederverwendet, doch das lässt nicht jedes Thema zu, denn der Altsand nimmt im Laufe der Lagerung eine grünliche Färbung an. In diesem Falle wurde er für das Afrika-Thema verwendet.

 

Wieder am Strand von Glowe

Eine nicht allzu lange Autofahrt und zwei Fischbrötchen später sind wir am Meer. Der Wind ist genauso stark wie vorgestern, als wir, versteckt zwischen zwei Hügeln in einer Kuhle am Strand in Glowe liegen. Die Dünen links und rechts fangen die meisten Böen ab und, legt man sich ganz flach in den Sand, fühlt es sich fast schon gemütlich an. Die Möwen kreisen am Himmel und auch heute stürmen weiße, füllige Nackedeis die Wellen, während ich den Reißverschluss meiner Fleedjacke bis zum Kinn hochziehe. Ich tauche die Hand in den weichen, weißen Sand und lasse die glänzenden, rund polierten Körnchen langsam durch meine Finger rieseln. Stürmisch rauscht das Meer und das stetige Geräusch schläfert mich trotz der Lautstärke ein.

Das Kiefernwäldchen ist auch diesmal sonnig und warm, als wir hindurchgehen. Der Duft von erwärmten, ätherischen Öl steigt mir in die Nase und die Bäume schirmen uns vom starken Wind ab. Meine Schuhe füllen sich mit puderweichem Sand, meine Füße rutschen immer wieder ab, bis die Dünenpassage zu ende und der Waldweg endlich wieder eben wird. Auf dem Parkplatz tun wir es unserem unbekannten Wohltäter gleich und legen das Ganztages-Parkticket wieder in die Luke des Automaten zurück, auf das sich ein nach uns folgender Sonnenanbeter daran erfreuen möge. Parkticket-Sharing – auch mal eine nette Idee…

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2 Gedanken zu „Rügen – Das Sandskulpturenfestival auf Binz

  1. Ech, uwielbiam te Twoje opisy, malowanie słowami, patrzenie na świat Twoimi oczami! Chciałaby kiedyś spędzić z Tobą dzień i zobaczyć, co można namalować, jak uchwycić emocje, zdarzenia, zamknąć w słowach spędzone razem chwile…Hmm, to mogłoby być ciekawe doświadczenie…Przyjmujesz wyzwanie…może napiszemy coś razem…po polsku!

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