Deutsches Weintor – Eine Motorradtour durch die Pfalz

Deutsches Weintor – Eine Motorradtour durch die Pfalz

Unsere Tour startet um die Mittagszeit und wir haben Glück – das Wetter hätte kaum schöner sein können. Es ist ein Tag in Oktober; ein warmer, herbstlicher Tag. Stefans Motorrad brummt vor sich hin und goldene Weinreben, Hügel und Dörfer der Pfalz rauschen an uns vorbei. Ab und zu ist in der Ferne eine stolze, erhabene Burg zu sehen und in jedem Pfälzer Örtchen werben hölzerne, mit Kreide beschriebene Schilder für den Wein aus der Region. 

Ich schmiege mich an Stefan und genieße die Fahrt, während die Oktobersonne meinen Rücken wärmt. Das Licht ist leicht neblig – wie so oft im Herbst – und die Luft riecht nach Wärme, Erde und Laub.

Wir durchqueren eine hügelige Landschaft. Das Farbspiel der Herbstblätter wechselt von Goldgelb zu Rostbraun und wieder zurück und in malerischen Ortschaften sitzen die Menschen draußen in Weingärten. Die sanfte Landschaft der Pfalz wird auch oft als die „Deutsche Toskana“ bezeichnet. Unzählige Biker kommen uns entgegen oder überholen uns – man grüßt sich, während die Maschinen geräuschvoll an uns vorbei schießen. Scheinbar alles, was zwei Räder hat, wird entmottet und auf die Straße geprügelt, denn wer weiß, wie lange das schöne Wetter noch hält? Und so brummt und summt es auf den Straßen der Pfalz – für mich der schönste Klang auf Erden.

Irgendwann hängt sich ein Bikerpärchen an uns dran. Relativ schnell merken wir, dass das Moped in etwa das gleiche Tempo und einen ähnlichen Fahrstil fährt wie wir und nebenbei bekomme ich Schnappatmung, denn der Biker fährt eine 2007-er goldene Hornet. Sehnsüchtig schielte ich immer mal wieder in Stefans Rückspiegel auf die Maschine hinter uns.

Irgendwann schließt das Moped an unsere Höhe auf und der Fahrer gibt uns mit Handzeichen zu verstehen, dass die beiden mit uns fahren möchten. Das Moped schließt sich uns an.

Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit halten wir an, stellen uns vor und klären ab, in welche Richtung es gemeinsam weiter gehen soll. Schon bald danach folgen uns Thorsten und Tina in einigem Abstand. Neidisch schiele ich auf das Motorrad im Rückspiegel und bekomme feuchte Augen. Wunderbare Erinnerungen erwachen, denn genau so eine Maschine – bis hin zum goldenen Superbike-Lenker –  fuhr ich noch vor einem Jahr selbst. Die Vielen ausgedehnten Touren nach Feierabend am Neckar entlang. Abends den Helm aufsetzen, auf die Maschine schwingen und los gehts. Wie ich damals mein Bienchen liebte.

„Mit der Maschine hast du eine gute Wahl getroffen.“ Sage ich später zu Thorsten.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt halten wir in einem der kleinen Orte und lassen uns in einem schattigen Weingarten nieder. Auch andere Biker machen hier Rast, das Lokal ist gut gefüllt. Ihre Maschinen stehen aufgereiht vor dem Lokal und das polierte Chrom strahlt mit der Sonne um die Wette.

Zum späten Nachmittag hin erreichen wir das Deutsche Weintor. Thorsten und Tina verabschieden sich hier von uns, denn den beiden wird es zu spät. Im Cafe am Deutschen Weintor bestellen wir uns noch einen Cappuccino. Die Luft wird zunehmend kühler und ich wickle die Jacke fester um mich. Es ist immerhin Ende Oktober und nun, da die Sonne im Begriff ist, unterzugehen, machten sich die kühlen Temperaturen der Jahreszeit bemerkbar. Ich denke mit Bedauern an den Inhalt meines Kleiderschranks. Ein warmer Pullover hätte mir heute auch nicht geschadet…

Über eine Seitentreppe steigen wir später das Deutsche Weintor hinauf. Das Bauwerk ist aus Stein errichtet und beinhaltet eine hölzerne Galerie in der Mitte. Die Hügel und Weinreben sehen von hier oben wie gemalt aus. Die untergehende Sonne taucht die herbstliche Landschaft in einen leuchtend goldenen Schein. Wir bleiben, bis die Sonne untergegangen ist.

Das Deutsche Weintor ist der Beginn der Deutschen Weinstraße. Es stammt aus Zeiten des Nationalsozialismus und wurde errichtet, um – mitsamt der Deutschen Weinstraße – die Pfalz als Weinanbaugebiet bekannt zu machen. Zu dieser Zeit haben die deutschen Machthaber Juden den Weinhandel verboten – blöd nur, dass über 80 Prozent des gesamten Weinhandels in Hand der Juden lag und nach dem Verbot die Winzer auf ihrer Ware sitzen blieben. Die Deutsche Weinstraße mitsamt Tor sollte als Werbemaßnahme dem Weinhandel einen neuen Aufschwung geben. Offiziell soll das Tor auch der Völkerverständigung dienen, der „deutsch-französischen Freundschaft“ doch in Wirklichkeit läuft die Aufrüstung bereits auf beiden Seiten. Und der Satz, der quer über dem Tor prangte, sollte ein Seitenhieb in Richtung des Nachbarn sein:

Kampf und Volk – Wein und Wahrheit

„Der Wein ist wahr – das Gelöbnis echt: Hier stehen Deutsche und nichts als Deutsche – im Westen die Feldwache der Nation.“

– Zitat: NS-Gauleiter Josef Bürckel beim zentralen „Eröffnungsakt“ der Deutschen Weinstraße in Bad Dürkheimam 19. Oktober 1935,
Quelle: Wikipedia
Das Deutsche Weintor war zur französischen Seite hin mit einer riesigen Hakenkreuz-Fahne dekoriert und von Wissembourg aus gut zu sehen – eine klare Provokation. Wie durch ein Wunder übersteht das Tor den Krieg – und birgt heute den Wein Walk of Fame: Seit 2012 werden alljährlich in im Boden eingelassenen Metallplatten die Namen derer verewigt, die im Weinbau besondere Verdienste geleistet haben.

Es dämmert schon, als wir uns auf den Nachhauseweg machen. Der kalte Wind dringt schneidend in unsere Schutzkleidung ein. Ich mache mich hinten auf dem Motorrad so klein wie möglich und versuche, mich im Windschatten zu halten. Einmal mehr denke ich an die warmen Anziehsachen zu Hause in meinem Schrank.

Diese Tour ist unsere letzte in dieser Saison. Danach heißt es: Abschied nehmen und die Maschine in die Mottenkiste packen, bis zum nächsten Frühling…

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