Belgien – Ich bin dann mal in Spa…

Belgien – Ich bin dann mal in Spa…

Nein, diese Überschrift enthält keinen grammatikalischen Fehler. Denn anstatt faul im Becken herumzulümmeln oder mir den Rücken mit duftendem Öl einreiben zu lassen bin ich heute wirklich in Spa – im kleinen, legendären Kurort Belgiens, 35 km von der deutschen Grenze entfernt.

Und falls Ihr Euch auch schon mal gefragt habt, was das mit dem Spa soll und wo der Begriff eigentlich herkommt – hier ist die Antwort!

Von der kleinen, beschaulichen belgischen Stadt Spa hat sich der englische Synonym für „Heilbad“ entwickelt. Der Name geht auf einen germanischen Begriff zurück, der etwas unappetitlich für „Speien“ oder „Spucken“ stand. Die heilenden Quellen in der Region waren schon bei den Römern bekannt. Im 18 Jahrhundert wurden hier die ersten Kurbäder gebaut und hier trafen sich sowohl Könige als auch alles, was Rang und Namen hatte. Heute kann man sowohl in den Spa-Oasen entspannen als auch die Heilquellen bei einem Rundweg besuchen.

Nachdem ich das Auto abgestellt habe, laufe ich zunächst buchstäblich in Kreisen durch die wunderschöne, kleine Stadt. Und klein ist sie, tatsächlich, doch sonnig und voller Leben. Alle Cafes und Brasserien der schmucken Altstadt haben geöffnet und die Menschen lassen sich draußen sitzend die Sonne auf den Rücken scheinen. Kleine Parks und Grünanlagen spenden Schatten, die Leute lächeln mir im Vorbeigehen zu (…warum eigentlich…?), einige grüßen.
„Bonjour!“

Schon auf der Fahrt hierher fällt mir auf, um wie viel entspannter es hier jenseits der belgischen Grenze zugeht. Die Fahrer halten sich (größtenteils) an die Geschwindigkeitsbegrenzung, (fast) keiner drängelt oder fährt zu dicht auf. Und diese entspannte Atmosphäre setzt sich auch in dieser schönen Kleinstadt fort, wo sie mich anlächeln, während ich den Zebrastreifen überquere und sie zum Anhalten bringe.

All die Spas, die dem Ort seinen Namen geben, befinden sich außerhalb des Stadtzentrums auf einer Anhöhe und sind mit einer kleinen, steilen Bergbahn zu erreichen. Könige und Adelige haben hier früher einmal gebadet, heute sind die Thermen für jeden zugänglich.

Zum Baden und Saunieren bin ich heute jedoch nicht gekommen (schade eigentlich, wenn ich jetzt so darüber nachdenke…), denn dafür reicht die Zeit nicht. Sondern „nur“ zum Gucken. Und Hunger habe ich auch.

Doch zuerst einmal gemütlich hinsetzen und eine rauchen, vielleicht hier unter diesem ausladend blühenden Magnolienbaum…?
Eine etwas verwahrlost aussehende, junge Frau (Roma?) stört prompt meine Ruhe: umständlich erklärt sie mir in einem Mischmasch aus französisch und englisch, dass ich ihr bitte etwas zu essen kaufen solle. Bekräftigend wedelt sie dabei mit einem Fünfeuroschein vor meinem Gesicht herum und ich bin mir nicht sicher, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Warum bekommt sie selbst nichts gekauft? Oder warum fragt sie nicht diese ältere Dame dort, die die Szene verfolgt und allen Anschein nach von hier und der Sprache mächtig ist? Die Sache kommt mir spanisch vor und ich lehne ab. Nach dem dritten nein trollt sich die Dame zu ihrem Begleiter, der im Schatten der Bäume auf sie wartet.

Auf meiner Suche nach Essen stelle ich so einiges fest: obwohl, wie ich auf die Schnelle nachschlage, die Amtssprachen Belgiens deutsch, französisch und niederländisch sind, stoße ich mit meinem Deutsch und sogar mit meinem Englisch, das sonst fast überall funktioniert, schnell an Widerstand. Denn Amtssprache hin oder her, ob die Menschen deutsch sprechen und verstehen können (wollen…), ist eine ganz andere Geschichte, denn jeder von mir Angesprochene scheint nur imstande, sich auf französisch mit mir zu unterhalten. Ob der nette Kellner, der mir erklärt, dass man bei ihm nicht mit Visa zahlen kann, oder der Typ im Fastfood-Imbiss. Sie alle sprechen nur französisch.

Es dauert ein Weilchen, bis ich auf meiner Suche nach Essen fündig werde, und das liegt beileibe nicht daran, dass der Ort eine unzureichende Auswahl an Cafes, Lokalen und Brasserien gehabt hätte, nein – doch ich habe mir unbedingt Fritten in den Kopf gesetzt, die es leider weit und breit nirgends zu kaufen gibt. Ich suche weiter. Verdammt, ich bin in Belgien, ich will Fritten!

Relativ fest stelle ich fest, nachdem ich mich nun mehrere Runden wie eine geisteskranke Biene im Kreis gedreht habe, dass der historische Ortskern, so pittoresk er auch anmuten mag, tatsächlich aus den drei- bis vier Straßenzügen besteht und sich vorwiegend um den Place Royal zentriert, mit seinen hellgrün sprießenden Trauerweiden und dem dominierenden Casino. Die vorbeifahrenden Autos auf der Hauptstraße bringen Hektik in die Szenerie, doch als ich weiter gehe, entdecke ich in den verborgenen, parallel verlaufenden Gassen ein anderes, ein ruhiges Spa.

Hier entdecke ich auch meine Fastfood-Bude, wo ich meine Fritten bekomme und mit Karte zahlen kann. Nun – es sind keine original belgischen, sondern konventionelle Fritten aus der Gefriertruhe, aber was solls. Als ich mich im Schatten hinsetze und esse, lächeln mir die Menschen im Vorbeigehen zu. Was für ein angenehmer Ort!

Wenn Du Spa besuchen möchtest – unbedingt Badesachen mitnehmen! Zwar ist der Ort an sich sehr schön, doch auch sehr klein und es gibt hier, außer Wellness, nicht wirklich etwas zu tun, man kann sich also bei einem Käffchen einen kleinen Überblick verschaffen, zum Beispiel auf einem Trip nach Brüssel, Antwerpen oder Lüttich. 

Der Artikel kann unbeauftragte und unbezahlte Werbung enthalten. Nach der aktuellen Gesetzeslage ist die Erwähnung, Bewertung und/oder Verlinkung von Produkten und/oder Dienstleistungen jeglicher Art als Werbung zu kennzeichnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.