Ein Garten voller Elfen – 20 Jahre AnimagiC

Ein Garten voller Elfen – 20 Jahre AnimagiC

Ich blinzle in der Sonne; eine Elfe kommt auf mich zu. Hier im Märchenland scheint nichts mehr unmöglich und so schaue ich die Erscheinung an, ohne mich zu wundern. Im Hintergrund rauscht eine Fontäne und ein leises Rascheln von ganz vielen Stimmen dringt aus allen Richtungen an mein Ohr. Dann beginnt die Elfe zu sprechen.

Es ist wieder AnimagiC-Zeit in Mannheimer Rosengarten. Elfen, Superhelden, Krieger und sonstige Fantasiegestalten tummeln sich in den Hallen und Sälen und ich versuche, mir einen Platz zu finden. Lange, lange im Voraus habe ich die Karten geholt und eile nun dem Ereignis entgegen.

Zuerst gerate ich versehentlich an eine blonde, voluminöse Security-Dame, die mich mit eiskaltem Blick betrachtet. „Was möchten Sie hier?“ Tja, eigentlich möchte ich zum Einlass mit meinem gefalteten, ausgedruckten DinA4 Blatt, welches ich in der Hand halte. Und überhaupt – ich will mich doch nur unter die Jugend mischen. Schnief. Ein Kollege springt ihr bei und zeigt mir den Weg. Als ich davon laufe, drehe ich mich nochmal um: die Augen der Dame sind immer noch in mich gebohrt. Ich sehe sie an und schüttle den Kopf. Habe eben beschlossen, dass ich sie nicht mag.

Drinnen spaziere ich durch die halb leeren Gänge. Viel ist nicht mehr los, es ist Samstag Abend und ich bin sehr spät dran. Eigentlich habe ich ein Zweitages-Bändchen, doch mit dem recht spontanem Besuch meiner Kusine fing das Wochenende etwas chaotisch an. Es ist nicht mehr wirklich viel los, die Cosplay-Wettbewerbe sind schon längst durch und am Nachmittag fand ein Sailor-Moon Fantreffen am Wasserturm statt.

Ich lande in einem Konzertsaal, aus dem rockige Klänge dringen. Eine japanische Band tobt auf der Bühne, Fans mit Leuchtstäben toben vor der Bühne. Die Band ist bekannt. Nicht bei mir, aber insgesamt. Bei den Fans. Der Gitarrist trägt eine quietschgelbe Banane auf dem Kopf.

Ja, Sailor Moon ist ein Grund, warum ich hier bin. Traurig schleiche ich um den kleinen Fan-Stand im ersten Stock. Der Stand ist schon geschlossen. Ich beschließe, wieder nach Hause zu fahren.

Es ist bereits dunkel. Hell erleuchtet ist jedoch die Stadt. Es ist ein warmer, ein sehr warmer Sommer hier in Süddeutschland, der eigentlich Spanien, Italien oder den Kanaren eigen ist. Eine Wand aus schwüler Luft kommt mir entgegen, als ich die klimatisierten Hallen verlasse. Am Wasserturm tobt das Leben, Wasserfontänen schießen in die Luft, von Lichtspielen in wechselnden Regenbogenfarben beleuchtet. Menschen sitzen auf dem Rasen und chillen, auch viele Cosplayer haben sich hier eingefunden. Ich setze mich kurz ans Wasser.

Am nächsten Tag bin ich schon um zehn an den Toren des Rosengartens. Heute siehts schon wieder anders aus: eine lange Schlange hat sich vor dem Eingang gebildet, die quer über den Platz geht. Anime-Charaktere und Superhelden schwitzen unter ihren Kostümen (das will ich jetzt mal behaupten, denn es sind bereits heute morgen bald dreißig Grad…).

Drinnen geht es zu wie in einem Bienenstock. Das Festival hat unglaublich viel zu bieten: auf jedem der drei Stockwerke gibt es Attraktionen und jede Menge Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. In den Kinosälen laufen Manga- und Anime-Vorführungen, im Mozart- und Musensaal Rock- und Pop-Konzerte abwechselnd mit Showeinlagen. Es gibt ein Maid-Cafe – das Prinzip ist mir schon aus Japan bekannt – in dem es leckere Cappuccino und Latte gibt und wo man von Mädchen in süßen Dienstmädchen-Kostümen bedient wird, Erinnerungsfoto inclusive.

Bei Signierstunden der bekanntesten Anime-Autoren (Naoko Takeuchi erwarte ich jedoch vergebens…) bilden sich Schlangen vor den Tischen, und ganz oben auf Ebene 3 bietet der Veranstalter kostenlose Foto-Shootings für die Cosplay-Fans. Die Bilder werden anschließend auf die Website des Veranstalters hochgeladen und können dort geteilt und gedownlodet werden.

Ich lande im Musensaal, wo gerade ein bekanntes Anime als Theaterstück nachgespielt wird. Obwohl ich das Anime nur vom Hörensagen kenne, ist das Stück echt gut gemacht. So bleibe ich sitzen. Unglaublich, zu sehen, mit welchem Herzblut die Darsteller bei der Sache sind – und wie enthusiastisch die Darbietung von den Zuschauern angenommen wird.

Mittags sitze ich dann in einem anderen Raum beim angekündigten Sailor Moon Panel, eine Diskussionsrunde über die Urmutter der Magical Girls aus den Neunzigern. Der Saal ist zu einem Drittel gefüllt, während draußen eine lange Schlange Fans auf Einlass für die Vorführung von Pokemon wartet. Ein bisschen enttäuscht nehme ich Platz und auch den Veranstaltern wird irgendwann klar, dass da keiner mehr kommt.

Also beginnt das Team von Sailor Moon German, den halb leeren Raum zu unterhalten – gar nicht so einfach. Sie erzählen davon, wie es früher war, als in den Neunzigern die ersten Comic Cons auftauchten und man sich heimlich als Teenie, mit von über Monate zusammengesparten Geld gekauften Tickets in der Hand, aus der Wohnung schlich, um dorthin zu fahren. Alles, was einem jetzt normal erscheint, gab es damals noch nicht; Cosplay war recht unbekannt und auch Fanartikel gab es nur vereinzelt und ziemlich teuer zu kaufen. Gut, das „teuer“ ist geblieben, aber ansonsten bekommt man heute so ziemlich alles übers Internet bezogen.

Sie erzählten, wie sie damals in der Schule gehänselt und zum Außenseiter wurden, nur weil sie Sailor Moon mochten. Und nun, in Zeiten der großen Comic Cons und des großen Austauschs übers Internet ist Cosplay zur Normalität geworden, zu Mainstream, etwas, womit sich niemand mehr zu verstecken braucht. Nun können sie als Erwachsene all ihre Leidenschaft ausleben.

Ich glaube, das ist der Moment, in dem ich merke, dass ich all dem vor Jahrzehnten schon entwachsen bin. Mit zwölf sprach der Manga das kleine Mädchen in mir an und ich verpasste keine Folge. Ich weiß noch, wie ich einmal die entscheidende Folge schaute, der Kampf Sailor Moon gegen Galaxia, ich kniete fast vor dem Fernseher, als plötzlich ein störendes Geräusch von der Seite an mein Ohr drang, das sich nicht abschütteln ließ, die Stimme meiner Mutter, kaum in ihrer Dringlichkeit zu ignorieren:

„Kaaasiaaa! Iss doch endlich deine Suppe!“

Auch bei uns in der Klasse schaute man Sailor Moon. Beziehungsweise schaute es angeblich keiner, doch war jeder Schüler und jede Schülerin bestens darüber informiert, was in der vorhergehenden Folge kam. Mädels fanden die Serie toll, da es eine Mädchenserie über Superhelden war und Jungs fanden die Serie toll, da… die Röckchen der Heldinnen so kurz waren 😉 Gehänselt wurde niemand.

Nun, Jahre später mit dreißigeinpaar, bin ich eher aus nostalgischen Gründen hier. Ich würde mich nicht als die Helden meiner Kindheit verkleiden und die Charaktere nachspielen, denn genau darum geht es beim Cosplay. Ich habe die größte Hochachtung vor all jenen, die das tun – ich finde, sie machen die Welt bunter, ein Stückweit schöner. Ich bewundere den Enthusiasmus, mit dem sie bei der Sache sind.

Draußen gelingt es mir, ein paar tolle Aufnahmen von den „Superhelden“ zu machen. Es ist unglaublich, wieviel Mühe sich die Menschen mit ihren Kostümen geben. Nach anfänglicher Überwindung traue ich mich und mache mit meiner Kamera Jagd auf die Superhelden. Hingehen, freundlich lächeln, fragen… und jeder schmeißt sich für mich in Pose.

Nach einem ganzen, im Rosengarten verbrachten Sonntag habe ich genug gesehen und gehe nach draußen. Sehr warme Luft schlägt mir entgegen und die Nachmittagssonne blendet meine Augen. Viele Cosplayer haben sich am Wasserturm versammelt; in Grüppchen sitzen sie auf dem Rasen und Picknicken. Krieger, Elfen, Superhelden… der ganze Garten um die Wasserfontänen ist voll davon. Rüstungen, Schwerter, Flügel, Schwänzle und Katzenohren spazieren an mir vorbei, unter den Arkaden hindurch, die mit grünem Weinlaub bewachsen sind. Fotoshootings finden statt und Hobbyfotografen laufen zwischen den Fantasiewesen hin und her. Mit einem von ihren tausche ich einen Blick und der will heißen: wie wundervoll!

Ihr Elfen, Helden und bunte Gestalten, ihr macht die Welt ein bisschen schöner.

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