Ich träume von Afrika

Ich träume von Afrika

Wie in einem Traum wähne ich mich noch auf der afrikanischen Straße, durchgerüttelt auf der Gravel Road, in einem Auto, welches nicht dazu gemacht ist, eine solche zu befahren.

Wie in einem Traum sehe ich die Antilopen vor mir, wie sie mit zaghaften Trippelschritten die Straße überqueren. Sehe die Staubwolken vorbeifahrender Autos, die sie unweigerlich hinter sich ziehen. Sehe Perlhühner, höre die Rufe der Paviane. Bin unterwegs – tagein, tagaus.

Wache auf, sofort verblassen die Träume. Ich tauche tief in mein heißes Badewasser ein. Badewasser auf Knopfdruck in einem funktionsfähigen Bad. Fülle mit einer Handbewegung heißes Wasser nach. Bin wieder da, in meinem unbeschwerten Leben und denke daran, wie gesegnet wir sind.

Als wir auf dem Weg zurück nach Hause im Flieger der Quatar Airways sitzen, umgeben von lebenslustigen Russen und furzenden Chinesen, da muss ich daran denken, welche Grenzerfahrung diese Reise eigentlich war. In Katar, dem reichsten Land der Welt, fühlte ich mich wie ein Staubkorn, denn was sonst konnten wir für diese Menschen schon sein im Vergleich zu ihrem Wohlstand.

Doch in Namibia trafen wir die Minenkinder. Wir trafen die Jungs auf den Straßen von Otjivarongo, die anstelle von Geld eine Cola gekauft haben wollten. Für diese Menschen sind wir stinkreich, durch Namibia reisende Besucher in ihrer unsichtbaren Blase aus Wohlstand, die uns von all dem Leben da draußen trennt. Glaube nie, du könntest solche Länder bereisen wie „Gleicher unter Gleichen“, denn selbst wenn du die billigste Absteige für deine Übernachtungen wählst und dich weit weg bewegst von dem, was du „Touristenpfade“ nennst; du wirst immer noch ein reicher Mensch in einem Schwellenland sein. Denn du musst all das nicht tun, du reist zu deinem Vergnügen, du hast eine Wahl.

Wie seltsam erscheinen mir die Parkplätze unserer Supermärkte ohne diese Jungs, die mich in die Parklücken hinein- und wieder heraus lotsen, um danach ein Trinkgeld zu bekommen. Wie seltsam leer unsere Tankstellen, an denen dir kein Tankwart mit vollem Körpereinsatz deine Frontscheibe putzt.

Statt dem meckernden Sound der „Kotzkrähe“ gibt es die lieblichen Klänge der echten Krähen zu hören, die sich wie die Verkünder des Todes selbst auf den Bäumen versammeln. Statt dem Staub, der immerwährend über der Wüste hängt gibt es Nebelschleier; Feuchtigkeit statt Trockenheit; ein so sattes Grün, dass es wie farbbearbeitet erscheint. Das gefährlichste Tier, dem du in freier Wildbahn begegnen kannst, ist eventuell der Wolf und anstatt ganzer Pavianrudel turnen rote Eichhörnchen und Hauskatzen in den Gärten der Menschen herum.

Und egal wie holprig die Straßen hier dir auch erscheinen mögen, nun treiben sie uns ein Jauchzen der Freude statt den Tränen der Verzweiflung ins Gesicht. Das Toilettenpapier hat mehr als nur eine- bis zwei Lagen und ich komme mir mit meinem Modeschmuck und meiner einigermaßen adretten Kleidung endlich mal nicht overdressed vor.

Zwei Welten begegneten sich und nun ist jede Welt wieder da, wo ihr Platz ist. Aber Namibia rauscht noch in meinem Kopf weiter, es ist ein leises Hintergrundgeräusch, das nicht wirklich da ist, das sich aber nicht abstellen lässt. Das Rauschen des Autos, der Straße, hier und da ein aufblitzendes Bild. Auch jetzt noch ist die Namtib-Farm präsent mit ihren orangen leuchtenden Felsen und der Einsamkeit. Die Wanderung durch das Erongo-Gebirge, an Wänden aus weißem Marmor vorbei. Die abendlichen Geräusche der Savanne, so anders als die Abende bei uns. Ja, Namibia lässt sich nicht abstellen. Und schon jetzt denke ich daran, wieder zu kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.