So verschieden – die drei Städte

So verschieden – die drei Städte

Nach dem üppigen Frühstück und dem unschönen Zwischenfall in der Emanya Lodge führt unser Weg über größtenteils geteerte Schnellstraßen wieder in Richtung Süden, zu unserer nächsten Station auf der Karte: Dem markanten Waterberg-Plateau.

Tsumeb

Der Ort wird auch als „die grüne Stadt“ beschrieben. Hier tanken wir den Wagen, wobei uns diesmal der Mitarbeiter der örtlichen Shell Tankstelle mit vollem Körpereinsatz die Frontscheibe poliert, indem er seitlich auf den Wagen klettert. So viel Hingabe wird belohnt und wie immer grinst der Mann über ein gutes Trinkgeld.

Tsumeb ist eine ehemalige Minenstadt, in der Kupfererz abgebaut wurde – was an dem noch immer vorhandenem Förderturm erkennbar ist. Der Name bedeutet in Sprache der San soviel wie: Ein großes Loch in losen Boden graben. Deutsche und holländische Einflüsse spiegeln sich im Bau der Häuser und in entsprechenden Schriftzügen und Straßenschildern wieder. Nahe der Tankstelle sitzen Frauen in bunten Kleidern auf einem kleinen Markt im Schatten provisorischer Planen und verkaufen Obst und Gemüse; Rufe und laute Gespräche dringen zu uns durch die Autofenster.

Stefan will Äpfel kaufen. Einerseits gefällt mir die Idee, hier durch den örtlichen Markt zu schlendern, andererseits aber scheint es ein Ort zu sein, wo Einheimische unter sich sind und wohin sich Weiße kaum verirren.

Wir würden auffallen wie zwei pinkene Pudel.

Wir beschließen, wie sonst üblich, einen Spar-Markt aufzusuchen, und bei der Suche biegen wir ein oder zwei Mal falsch ab. Und plötzlich macht die Stadt ihrem Beinahmen alle Ehre, denn wir sind umgeben von blühenden Bäumen und viel Grün; ungewöhnlich viel saftige Frische für ein Namibia, so trocken, wie wir es bislang kennengelernt haben. Die Allee, die wir passieren, ist wunderschön, zwei kleine Sandssteinkirchen und ein Museum sind auf der rechten Seite zu sehen; vor dem Museum ruht eine alte, schwarze Dampflock, die ihre Dienstzeit lange hinter sich hat.

Zu unserer Linken erstreckt sich ein großer, schattiger Park. Die Sonne scheint durch die Äste der Bäume und hinterlässt ein unregelmäßiges Muster auf dem Rasen. Die prachtvoll blühenden Bäume hinterlassen ganze Blütenteppiche vor uns auf dem Bürgersteig. Als wir anhalten und aus dem Auto steigen, ist die Luft erfüllt von ihrem betörend leichtem Duft.

Tsumeb ist ein wunderschöner, kleiner Ort. Nur die Stimmung in diesem Ort ist seltsam.

Am Rande des Gehsteigs sitzen ein paar Frauen; wir bemerken sie erst nach ein paar Augenblicken. Kleine Körbe und andere geflochtene Dinge liegen vor ihnen ausgebreitet. Sobald wir aus dem Auto steigen, erhebt sich eine der Frauen. Mit vorsichtigen Schritten kommt sie auf uns zu und hält ein paar der geflochtenen Körbe in der Hand. Als ich verneinend den Kopf schüttel, trottet sie langsam wieder auf ihren Platz zurück.

Im vor Grün strotzendem Park sehen wir Menschen, doch es geht dort niemand spazieren. Vielmehr schlendern diese Menschen ziellos umher, abwartend, manche von ihnen liegen auf den Bänken im Schatten der Bäume und schlafen.
„Das sind Obdachlose.“ Sagt Stefan.

Kaum Menschen auf der Straße. Wir laufen einige Meter die Straße entlang, doch relativ bald zieht es uns zum Auto zurück. Ich fotografiere nur mit meinem Handy, lasse die große Kamera in der Tasche – was mir Kopfschmerzen bereitet, ist die bereits zum Bersten volle Chipkarte. Doch trotzdem fühle ich mich overdressed in dieser Umgebung. Nicht auffallen ist anders; wir fallen auf. Die Frauen mit ihren Flechtwaren beobachten uns,  während sie miteinander reden. Eine weiße Frau läuft an uns vorbei und starrt dermaßen auffällig ins Auto hinein, dass ich versucht bin, sie nach ihrem Begehr zu fragen. Auf der Fahrt durch die Stadt nehmen wir eine erhöhte Polizeipräsenz wahr; eine Art Bereitschaftspolizei oder auch Paramilitär, schwer zu sagen. Eine seltsame Stimmung hier, sagt Stefan. „Die Einbruchsrate muss sehr hoch sein, wenn die Firmen ihren Sitz mit Elektrozäunen sichern.“ Er zeigt auf ein Firmengelände, das an einen Hochsicherheitstrakt erinnert. „Lass uns fahren. Einen Spar-Supermarkt können wir immer noch im nächsten Ort suchen.“

Wir steigen wieder ins Auto, doch vom zügigen Losfahren kann keine Rede sein: Stefan macht noch dies, macht noch jenes. Ein großgewachsener Jugendlicher läuft am Auto vorbei, blickt mich mürrisch an, blickt ins Auto rein. Ich halte es nicht mehr aus. „Du brauchst auch eine Ewigkeit, bis du loskommst!“ Schimpfe ich.

Auf dem Weg wieder durch und aus der Stadt heraus begegnen uns mürrische Gesichter, dunkle Blicke begleiten unseren Weg. Am Straßenrand befragt die Polizei gerade eine in extrem engen Leopardenrock gekleidete Frau. Fast alle Menschen, die wir passieren, schauen auf und blicken uns forschend an, doch es lächelt keiner. Diese Blicke sind aufmerksam, abwartend, prüfend. Fast so, als hätten sie nur auf uns gewartet (?).

Auf der breiten Rasenfläche, die die Straße in zwei Spuren teilt, sitzen Menschen unter Palmen. Es sind vor allem junge Männer, und es ist kein entspanntes Sitzen. Es ist ein Herumlungern, ein zielloses auf-etwas-warten. Und alle mustern sie uns, als wir die Stadt verlassen.

 

Otavi

Während der Weiterfahrt machen sich die vielen „Pumba“- Warnschilder endlich bezahlt. Ganze Warzenschwein-Familien turnen am Straßenrand herum und stöbern sogleich auseinander, sobald sich unser Fahrzeug nähert. Mit aufgestelltem Kamm und antennenartig erhobenen Schwänzen spritzen die Säue ins Gebüsch und wollen partout nicht für ein Foto stehen bleiben. Doch so manche lebensmüde Sau rennt vor unserem Auto über die Straße. Oder so manche Warzenschwein-Familie – für Pumbas gibt es keine grüne Ampel…

Im nächsten Ort halten wir uns nicht lange auf. Zum einen stillen wir unser Bedürfnis nach frischem Treibstoff, zum anderen stellt sich auch hier wieder die Frage nach dem Supermarkt. Doch auf dem Tankstellengelände befindet sich ein kleiner Markt. Nun, Markt ist vielleicht zu viel gesagt; ein paar ältere Frauen sitzen am Wendeplatz unter provisorisch errichteten Planen, Berge an farbenfrohen Gemüse vor sich ausgebreitet. Da wird es doch auch Äpfel geben…?

Wir parken das Auto; sogleich grinst ein Mann in Warnweste durch die Frontscheibe fröhlich in unser Auto hinein. „I will watching for your car.“ Sagt er. Das heißt schon mal, Trinkgeld bereithalten. Ich muss schmunzeln, denn wir haben vor, in Sichtweite des Fahrzeugs zu bleiben und hätten einen Aufpasser eigentlich gar nicht nötig. Aber sei es drum.

Sobald wir uns den Ständen nähern, beginnen einige der geschäftstüchtigeren Frauen, uns sogleich heran zu winken. Doch Äpfel haben sie keine. Zwiebeln haben sie – und das in allen Farben und Sorten.

Als wir zum Auto zurück laufen, sammelt ein Transporter gerade Straßenarbeiter auf die offene Ladefläche auf. Oft dienen die Ladeflächen der Pick ups hierzulande dazu, Menschen, ob Anhalter oder in diesem Falle Arbeiter, von a nach b zu bewegen, und so sitzen oder stehen sie da, während die Autos über die Straßen holpern. Auch unser nett lächelnder „Watching-your-car“ in Warnweste verschwindet auf der Ladefläche. Anscheinend verdienen sich die Straßenarbeiter hier auf dieser Weise ein kleines Trinkgeld.

Wir verlassen die Tankstelle und passieren zum zweiten Mal eine große Kreuzung. Diesmal fahren wir in die Stadt hinein. Die muntere Dame von der Polizeikontrolle fiel uns beim ersten Mal schon auf.

Ein „Spar“-Schild, welches Stefan erspäht hat, lotst uns tiefer in die Stadt und nährt unsere Hoffnung, doch noch an frische Äpfel zu kommen. So gelangen wir schließlich an einen örtlichen Supermarkt, der, etwas abgegriffen, mit dem Spar so gar nichts gemein hat.
„Wollen wir da rein?“ Fast gleichzeitig schütteln wir die Köpfe, denn der Markt sieht uns auf den ersten Blick nicht gerade vertrauenswürdig aus. Wir schauen mal im nächsten Ort, sagt Stefan, und ich muss breit grinsen.

Als wir zum dritten Mal die Kreuzung passieren, zieht uns die Polizeikontrolle raus.

Die stramme Polizistin von vorhin ist nicht mehr zu sehen; nun nähert sich ihr männlicher Kollege unserem Autofenster. Brav hielten wir an, nachdem er uns rausgewunken hatte; dass wir mitten auf der Kreuzung stehen, scheint ihn nicht zu stören.

„Hi, how are you?“ Fragt er, doch sein Ton lässt vermuten, dass dies hier kein Small talk wird. Brav antworten wir unsere auswendig gelernte „fine, and how are you?“- Formel.
„Fine, I’m fine.“ Gemütlich schlendert er ums Auto herum hin zur Fahrerseite. „Can I see your driver lizenz?“ Und während Stefan beginnt, nervös in seinen Papieren zu kramen und sich gleichzeitig die Nervosität nicht anmerken zu lassen, will der Polizist wissen, wohin wir als nächstes fahren.
„Waterberg Plateau.“
„Sie wissen aber schon, wo das ist?“ Fragt er und zeigt in die entgegengesetzte Richtung: Die, aus der wir gerade kommen. Nun ist Stefan doch sichtlich irritiert, konsultiert seine Karte. Der Polizist grinst schelmisch.
„Nein, ihr seid schon richtig.“ Nach einem kurzen Papieren-Check dürfen wir schnell weiter. Wollte er uns verschaukeln? Testen? …was?

 

Otjiwarongo

Die dritte Stadt hat endlich einen Spar-Markt.

Otjiwarongo, die  Hauptstadt der Region Otjozondjupa, vermittelt sogleich einen ganz anderen, ja, einen wohlhabenden Eindruck im Vergleich zu ihren beiden Vorgängern. Gut situierte, stilvoll gekleidete Menschen sind auf den Straßen zu sehen, Männer in Anzügen, weißen Hemden und Jeans, schick und sexy gekleidete Mädchen mit Smartphones in der Hand. Kein Wunder – bedeutet der Name der Stadt in der Sprache der Herero: Schöner Platz der fetten Rinder. Auch hier liegen oder sitzen die Menschen auf dem Rasen, doch sieht es eher nach einer Siesta aus als nach der dumpfen Hoffnungslosigkeit von eben. Sie reden, sie lachen, keiner starrt uns auffällig an. Keine finsteren Blicke. Wir fühlen uns wohl.

Und es gibt einen Spar-Markt. Einen ziemlich großen sogar, mit anliegenden Cafes, einer Apotheke und einer Fastfood-Kette. Bei der Fastfoodkette Wimpy trudeln wir für einen Cappuccino ein.

Aus dem Cappuccino werden Milchshakes, Wraps und Burger und aus dem geplanten Zwischensnack eine üppige Hauptmahlzeit. Mit kugelrunden Bäuchen schieben wir anschließend unseren Einkaufswagen vor uns her.

Fast alle namibischen Supermärkte, in jedem Falle der Spar, haben Lotsen, die sich für die Kunden nach einen freien Parkplatz umsehen und beim Einparken behilflich sind. Sie geleiten dich für ein kleines Trinkgeld in die Parklücke hinein und wieder heraus und haben zwischendurch ein Auge auf dein Auto.

Otjiwarongo hat einen angenehmen Eindruck hinterlassen. Es ist Nachmittag, als wir von dort aus in Richtung Osten aufbrechen, zum hoch aus der Ebene der Kalahari aufragendem Waterberg-Plateau.

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