Die Etosha-Pfanne

Die Etosha-Pfanne

Um uns herum – Leere und weißes, blendendes Licht, welches, von der hellen Fläche zurückgeworfen, Temperaturen von über 40 Grad erzeugt. Der warme Wind fühlt sich an wie die Luft eines Haartrockners auf Stufe drei und die Luft wirbelt weiße Staubpartikel auf. Wir laufen über einen ausgetrockneten Seeboden, der Etosha-Pfanne, die dem gesamten Nationalpark ihren Namen gibt. 

Aussteigen ist auf dem gesamten Parkgelände strengstens verboten, denn inmitten der Tier- und Pflanzenwelt kann man schneller auf der Speisekarte landen als einem lieb ist. In einem der Camps, die im Etosha verteilt sind, hat man aber die Möglichkeit, auszusteigen und etwas zu trinken oder zu essen, oder auch die Toiletten zu nutzen. In so einem Camp lassen wir uns um die Mittagszeit zu einer Pause nieder.

Faszinierend und absolut sehenswert ist die Etosha-Salzpfanne, eine 4760 Quadratkilometer große Fläche inmitten des Nationalparks, die selbst aus dem Weltall zu sehen ist. Die Pfanne ist der Boden eines ehemaligen Sees und der Name Etosha bedeutet in der Sprache der Ovambo: Großer, weißer Platz. Und das ist wortwörtlich zu nehmen.

Nachdem wir ein wenig Staub über der weißen Fahrbahn aufgewirbelt hatten und einigen Springböcken, die auf Fußgänger machen, ausgewichen sind, weicht plötzlich jegliche Vegetation zurück und wir befinden uns inmitten eines riesigen, gleißend-weißen Nichts. Die Temperaturanzeige steigt sprunghaft an und zeigt nun 40-41 Grad. Die weiße Ebene reflektiert die Sonnenstrahlen und wirft sie zurück; es ist heiß, heiß und trocken. Doch seltsamerweise spüre ich die Hitze nicht. Wir folgen weiter der Straße, die einige hundert Meter in die Ebene hinein führt und in einem runden Kreisel endet. Hier parken wir das Auto und steigen aus.

Um uns herum – gleißend weiße Fläche, nichts als Weiß, hier und da von fliederfarbenen, trocken-zarten Pflänzchen unterbrochen. Meine Augen beginnen zu brennen und ich ziehe meine Sonnenbrille wieder an. Nun endlich beginne ich, die Hitze zu bemerken, doch sie macht mir nichts aus. In dieser Hinsicht bin ich wohl wie eine Katze, nichts kann mir je zu warm sein. So strecke ich mich auch jetzt der Sonne entgegen. Wunderbar! Endlich zeigt der Kontinent mal, was er wettertechnisch so zu bieten hat.

Ganz anders Stefan, er schwitzt und flucht und bewundert gleichzeitig das Naturwunder um uns herum.

Wir wissen nicht, ob es hier erlaubt ist, aus dem Auto zu steigen, doch es ist der einzige Ort, an dem ich es für mich verantworten kann. Keine Tiere sind weit und breit zu sehen. Unsere Blicke wandern kilometerweit; es soll mal ein Löwe versuchen, sich hier anzuschleichen! Doch trotz der guten Rundum-Sicht schaue ich mich immer wieder wachsam um. Ich habe auch schon Bilder von Löwen in der Salzpfanne gesehen. Und obgleich gerade keine zu erkennen sind, entfernen wir uns nicht zu weit vom Auto.

Ab und zu fährt ein Auto vor, hält neben uns an, fährt wieder weiter. In der Ferne sehen wir Berge wie Erscheinungen aus einer anderen Welt, in der flimmernden Hitze wirken sie, als würden sie schweben, sich einfach schwerelos über dem Boden in der Luft behaupten.

Wir steigen ein und fahren weiter. So langsam wird es Zeit, in Richtung Ausgang zu fahren. Es ist später Nachmittag und der Sonnenuntergang erfolgt etwa gegen sieben. Am Eingang und in den Camps hängen tagesaktuelle Uhrzeiten für den Sonnenuntergang aus.

Das Licht fällt nun weicher auf Bäume und Gräser. In einem Hain sehe ich einige Giraffenköpfe inmitten der Baumkronen. Und dann – dann versperren uns Giraffen den Weg. Mitten auf der Straße stehen sie da und knabbern an Bäumen. Wir staunen nicht schlecht darüber, wie gleichmütig die Tiere dastehen und uns mit ihren sanften Augen anschauen, nicht einmal mehr neugierig, denn das kennen sie ja schon: Touristen in SUV. Also halten wir an und schauen ihnen wiederum beim Fressen zu. Auch ein paar Zebras grasen friedlich in der Nähe. Eine Giraffe läuft so nah am Auto vorbei, dass sie ohne weiteres ihren Kopf ins Fenster stecken könnte, wenn sie denn wollte. Aber sie will nicht.

Giraffen hautnah. Glücklich fahren wir weiter. In der Ferne stehen Elefanten im goldenen Gras. An Elefanten herrscht hier wahrlich kein Mangel. Kein Wunder – verspricht doch die Website des Etosha-Parks eine sehr hohe Tierdichte und garantierte Sichtungen. Und es macht nicht den Anschein, als wenn man die Tiere auf irgend eine Art und Weise extra für den zahlenden Touristen zusammen trommelt.

Jetzt fehlen uns nur noch das Nashorn und der Leopard für unsere Sammlung. Und beide soll es hier im Nationalpark auch geben. Während wir bereits den Ausgang auf der anderen Parkseite anstreben, durchkämme ich verstärkt mit den Blicken das Gestrüpp. Herr Horn, Vorname Nas, wird gebeten, sich an der Information zu melden. Herr Horn, Vorname Nas… Doch Herr Horn mag sich nicht mehr zeigen.

So erreichen wir das letzte Camp, in dem wir das Auto auftanken, bevor wir den Park hinter uns lassen. Während Stefan tankt, beobachte ich die putzigen Mungos, die auf einer großen Rasenfläche umherrennen, ihre kleinen Schnäutzchen in die Erde stecken und nach Essbarem suchen. Wie ein Mann durchsuchen sie gleichförmig „ihr“ Rasenfeld, bewegen sich Stück für Stück immer weiter vorwärts. Wie gerne würde ich jetzt ein Warzenschwein da hineinwerfen!

Mungos fressen mit Vorliebe Insekten und mit Warzenschweinen verbindet sie ein besonderes Arrangement: Was macht ein Warzenschwein, wenn das Ungeziefer in seinem Fell pickt und zwickt? Es lässt die Mungo-Schönheitsstation ran – die kleinen Tierchen entfernen all die Blutsauger, die auf der Haut des Warzenschweins krabbeln – Fellpflege Deluxe! Und die Mungos bekommen eine kostenlose Mahlzeit.

Doch nun ist kein Menü in Form eines Schweinchen in Sicht und so bemühen die kleinen Mungos den Boden und bewegen sich Stück für Stück immer weiter vorwärts. Bis ihnen plötzlich ein paar langer Hosenbeine im Weg stehen und ein lautes Klicken der Kamera zu hören ist. Die Tiere weichen aus, doch die Hosenbeine stellen sich ihnen erneut in den Weg, um weiter zu fotografieren. Das „Bitten den Rasen nicht betreten“-Schild wird komplett ignoriert für den perfekten Schnappschuss – und ich staune.

Es dämmert, als wir unsere nächste Unterkunft erreichen – die Emanya-Lodge.

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