Die Ayurveda-Kräutermassage

Die Ayurveda-Kräutermassage

Sri-Lanka, Mai 2018

„Dies ist die beste Massage in ganz Sri Lanka!“ Schwärmt Soliya, als wir mit dem Gedanken spielen, selbige vom Tagesplan zu streichen. Wie auch bei der Elefanten-Safari – zwecks einer weniger straffen Planung. Dies ist grundsätzlich kein Problem, da sich unser Fahrer ohne wenn und aber nach unseren Wünschen richtet, aber… „You would miss it.“ Also gut.

„Zieht eure Kleidung aus.“ Sagt die Frau, als Stefan und ich vor ihr in der Hütte stehen. Der Raum ist mit zwei Liegen ausgestattet und mit Kerzenlicht beleuchtet, seichte, entspannende Musik rieselt irgendwoher und vermischt sich mit den Rufen der Vögel, die von draußen in die Hütte dringen. Es duftet nach Ölen und Kräutern, aromatisch und intensiv.

Die Stimme der Frau ist leise und der Ausdruck in ihrem Gesicht sowie ihre ganze Art hat auf mich eine sanfte, beruhigende Wirkung.
„Alles ausziehen?“ Frage ich nach, da nicht klar ist, ob wir unsere Unterwäsche anbehalten dürfen. Doch, dürfen wir.

Nachdem wir fertig sind und mit dicken Handtüchern umwickelt uns auf zwei Stühlen gegenüber sitzen, kommt auch der Junge herein, der Stefan massieren soll. „Mann massiert Mann, Frau massiert Frau.“ Erklärte Soliya auf meine Nachfrage hin, doch erwähnte er dabei nicht, dass sich beide im selben Raum befinden. Und der Junge macht den Eindruck, als hätte er lieber mich massiert.

Wir reiben uns mit feuchten, parfümierten Handtüchern ab und die Frau knetet meine Schultern durch. Darauf folgt eine Gesichts- und Kopfmassage, bis ich mich, schön ölig und glänzend und nach Kräutern duftend, auf die Liege legen darf.

Die Massage dauert alles in allem rund zwei Stunden und ist… sehr gründlich, wer hin möchte, darf also keine Berührungsängste haben 🙂 Ich liege da und entspanne mich immer mehr, nehme mit geschlossenen Augen die Frau und ihre Aura nur noch als eine warme, wohlgesonnene Präsenz wahr. Draußen ist es dunkler geworden und es hat zu regnen begonnen und was als Regen begann, entwickelt sich nun nach und nach zu einem Gewitter. Das Heulen des Windes und die Donner, die ab und zu zu uns herüber dringen, übertönen die Musik und ich muss an meine Wäsche denken, die ich gestern provisorisch gewaschen habe und die nun fröhlich im Baumhotel am Balkongeländer im Wind und Regen vor sich hin flattert. Oder bereits auf dem sandigen Boden liegt: ich sehe mich bereits umherhüpfen und die nassen Söckchen in den Gebüschen aufsammeln.

Doch daran kann ich jetzt eh nichts ändern, also lasse ich mir schön einen Muskel nach dem anderen durchkneten und folge bereitwillig den Anweisungen der Dame, mich so oder anders hin zu legen. Was mich dabei ein wenig stört, ist der Junge, der keine Gelegenheit auslässt, immer wieder unter einem Vorwand hinter den Vorhang zu blicken.

Zuletzt folgt eine Behandlung, die man sehr häufig auf diversen Bildern der Ayurveda-Behandlung sieht: eine aufgehängte Schale wird mit warmen Kräuteröl gefüllt und über dem Kopf des Liegenden platziert, das Öl läuft durch eine Öffnung in einem gleichmäßigen Strahl auf die Stirn. Eine halbe Stunde dauert die Behandlung, das austretende Öl benetzt meine Haut und läuft die Haare herunter. Ein feuchtes Handtuch schützt die Augen und das Gesicht.

Im Hintergrund höre ich, wie Stefan die Prozedur abbricht. Später erzählt er mir, das sehr warme Öl hätte seinen Blutdruck in die Höhe getrieben. Wer also unter hohem Blutdruck oder Kreislaufproblemen leidet, sollte lieber auf diese Behandlung verzichten.
Dann ist es soweit, die Massage ist zu ende und ich tiefenentspannt. Langsam öffne ich die Augen und die ältere Frau lächelt mich an. „Good Morning!“ Sage ich.

Sie führt mich durch den Hof, mit einem Schirm vor dem in Strömen gießenden Regen geschützt, in eine Art Dampfbad. Der Boden ist mit duftenden Zweigen ausgelegt und ein einziges Licht, mit einem grünen Zweig abgeschirmt, beleuchtet spärlich den Raum. Ein frisches Aroma nach… ja, nach was denn? Frisch, aber nicht minzig, grün, aber anders als die Öle von vorhin, füllt den kleinen Raum aus, und die Zweige auf dem Boden lassen mich an die in Finnland üblichen Birkenzweige denken. Ich setze mich auf die hölzerne Bank und schaue mich im Raum um. Bis auf die Zweige, das Licht und die Bank ist er leer und nichts deutet darauf hin, woher denn der ganze Dampf eigentlich kommt.

Nach zehn Minuten werde ich wieder abgeholt.

Wieder in unserem Baumhotel fühle ich mich auf eine angenehme Weise müde. Es gießt immer noch wie aus Eimern, doch meine Wäsche ist weitestgehend trocken geblieben, auch vom Boden aufsammeln muss ich sie nicht. Gern würde ich direkt schlafen gehen, jedoch sitzen wir noch im Haupthaus des Hotels und schreiben Bewertungen für unseren Fahrer, der seine Sache echt gut gemacht hat und nun sanft, aber zielstrebig darauf bestand, wenn es uns irgendwie möglich ist, die Bewertung heute noch zu posten, da es unser vorletzter Tag mit ihm ist. Warum es nicht bis nach dem Urlaub warten kann, ist mir schleierhaft, aber da es ihm wichtig ist, machen wir es heute. Sogar einen Hotspot hat er mir über sein Handy eingerichtet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.