Polizei, dein Freund und Helfer

Polizei, dein Freund und Helfer

Sri-Lanka, Mai 2018

Soliya steigt zu uns ins Auto; im Rückspiegel sehe ich seine runden, lachenden Augen.
„Was hat er gewollt?“ Fragen wir sofort. Soliyas Augen lachen daraufhin noch ein wenig mehr. „He wanted money.“ Dann lacht er.

Wir fahren nun ins Landesinnere, passieren trubelige Städte, schlängeln uns durch den Verkehr. Die Bewegungen des Fahrzeugs erzeugen in mir wieder ein ungutes Gefühl, also lege ich mich hin und versuche zu schlafen. Das hilft ein wenig und als ich wieder wach bin und neugierig durch die Frontscheibe schaue, werden wir Zeuge einer merkwürdigen Begebenheit. Wir passieren gerade Matera, eine große Stadt mit dichtem Verkehr, als unser Fahrzeug von einer Polizeikontrolle herausgewunken wird.

Polizeikontrollen in Sri Lanka sind nichts Außergewöhnliches, man sieht sie sehr häufig in Städten und oft auch außerhalb. Selbst im Hochland in winzigen Ortschaften ist sie präsent, die Polizei hier auf der Insel verfügt über viel Personal. Egal ob am Tage oder nachts in der Dunkelheit, gefühlt alle zwei- bis drei Kilometer stehen die Herren in braunen Uniformen.

Soliya kurbelt das Fenster runter, die Männer begrüßen sich herzlich mit einem Lächeln und ein paar freundlichen Worten, dann unterhalten sie sich einen Augenblick wie beste Freunde. Ich bin erstaunt, vermute jedoch eine Farce. Fast rechne ich damit, dass der Polizist darauf bestehen wird, die hinteren Türen zu öffnen, um zu sehen, wer da hinten sitzt und unsere Pässe einkassiert, doch glücklicherweise macht er keine Anstalten in diese Richtung.

Dann nimmt unser Fahrer seinen Geldbeutel in die Hand und folgt dem Uniformierten nach hinten. Sofort kleben unsere Nasen an der Gottseidank verdunkelten Scheibe des Rückfenster. „Jetzt unterhalten sie sich wahrscheinlich über die Höhe des Trinkgeldes.“ Sagt Stefan und es ist keineswegs als Scherz gemeint. Ich kann erkennen, wie der Ausweis unseres Fahrers kurz den Besitzer wechselt. Der Polizist schaut kurz und gibt Soliya den Ausweis zurück, die Sache scheint erledigt; jedoch kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass das schon alles war. Soliya steigt zu uns ins Auto; im Rückspiegel sehe ich seine runden, lachenden Augen.

„Was hat er gewollt?“ Fragen wir sofort. Soliyas Augen lachen daraufhin noch ein wenig mehr. „He wanted money.“ Dann lacht er.

Der Uniformierte hat unserem Fahrer vierhundert Rupien abgeknüpft. Es hat sich herausgestellt, dass ich Recht hatte: der scheinbar herzliche Tonfall und die strahlenden Gesichter der beiden Männer sollten bloß die Verhandlungen verschleiern.

Wir fahren weiter, Tuk Tuks, Hunde und Menschen werden in Slalom überholt. Immer mal wieder hupt unser Fahrer und auch die anderen tun es ihm gleich. In all dem scheinbaren Chaos auf Sri Lankas Straßen hat sich ein ganz spezielles System herauskristallisiert, ein System aus Hup- und Lichtzeichen, die je nach Einsatz, Art und Häufigkeit oft etwas völlig anderes bedeuten können. So bedeutet ein Hupen beim Überholen eines Fahrzeugs so viel wie: Achtung, ich überhole dich jetzt, mach bloß keinen Scheiss! – Erklärt und Soliya. Und wenn das Fahrzeug dann seinerseits ein kurzes Hupzeichen gibt, sagt er mit diesem: Alles klar, habe dich gesehen, mach ruhig!
Ein kurzes, dreimaliges Hupen heißt auch wieder etwas anderes und bei langem, durchgezogenem Tröten ist es wie bei uns, es bedeutet: Was gibt es denn da so zu schleichen? Mach schneller oder mach Platz!

Die Lichthupe entgegenkommender Fahrzeuge weist auf kommende Polizeikontrollen hin, die in Sri Lanka gefühlt alle zwei- bis drei Kilometer stattfinden, wobei die Fahrer nicht immer kurz wie bei uns, sondern oft minutenlang die Lichthupe drücken.

Und eines hat sich in den letzten Tagen herauskristallisiert: nämlich, dass für Fußgänger und sogar Tiere sehr wohl gebremst wird, doch oft erst in letzter Sekunde, oder wenn es gar nicht anders geht. Ansonsten wird genauestens die Entfernung und Geschwindigkeit des Gegenverkehrs abgeschätzt und eben kurz davor oder kurz danach eingeschwenkt. Manchmal beträgt der Abstand zu anderen Seitenspiegeln buchstäblich Millimeter, so dass ich mich frage, wieviel Können und wieviel reines Glück mit eine Rolle spielt.

Vor lauter Aufregung über die Polizeikontrolle habe ich sogar die anhaltende Übelkeit in meinem Magen vergessen, das Überbleibsel der Wale-Watching Tour, doch glücklicherweise machen wir vor der Jeep-Safari nochmal eine kleine Pause. Ein kaltes Getränk und einfach mal das Fehlen von jeglichem Gerüttel machen mich wieder fit.

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