Anstehen für Jonny – Road to Bakery in Bonn

Anstehen für Jonny – Road to Bakery in Bonn

Wer Brötchen sucht, ist hier falsch. Kuchenstückchen? Fehlanzeige. Es gibt nur Brot – reines, gutes, leckeres Brot.

Wie..? Eine Bäckerei ohne Brötchen?

Richtig gehört, keinen Schnickschnack. Doch das hält die Menschen nicht davon ab, bis fast auf die Straße anzustehen.

Der Bäckerladen von Max Kugel hat inzwischen so etwas wie Berühmtheit erlangt. Während einer dreimonatigen Reise durch Kanada und die USA ließ sich Max inspirieren und schaute sich das eine oder andere von den dort ansässigen Bäckereien ab. Doch auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er noch nicht fertig damit, bundesweit erfahrenen Bäckermeistern über die Schulter zu schauen. Herausgekommen sind Brote von Bio Qualität ohne Zusatzstoffe wie Enzyme oder Emulgatoren mit so ungewöhnlichen Namen wie Knusprige Heinz, Föhrer Weißbrot oder eben Jonny. Und diese Brote will ich heute unbedingt probieren.

Als ich gegen zwölf in der Bonner Südstadt ankomme, ist der Laden voll. Die Menschen kommen und gehen, und drinnen stellen sie sich, wie zu DDR Zeiten, demütig in der Schlange an. Und das alles nur, um den Vollkorn-Jonny, das Kleine Schwarze oder das Föhrer Weissbrot zu probieren. Ich schlüpfe hinein und stelle mich dazu, laufe bis ganz nach hinten durch und reihe mich am Ende der Schlange ein.

Was? So lange warten – für teures Brot?

Ähm… macht einfach mal. Es lohnt sich.

Der Laden sieht stylisch aus. Mehr noch – er ist nicht steril. Durch eine große Luke kann man die Männer beim Backen sehen; Einer von ihnen ist Max selbst, doch das wird mir erst viel später beim Durchlesen diverser Berichte bewusst. Spuren von Mehl ziehen sich im Verkaufsraum über den Boden dort, wo große, weiße Mehlsäcke abgeladen wurden und überall stapeln sich fertige Brote, knusprige Brote, die darauf warten, gekauft und gegessen zu werden. Ein hölzernes Rollwägelchen steht im Eingang mit weiteren Broten bereit. Und auf der anderen Seite stapeln sich die Kunden. Während ich warte, schaue ich der Dame vor mir über die Schulter – auch sie scheint den Tipp von irgend einem Travel Portal bekommen zu haben, das verraten zumindest die ausgedruckten DiNA 4 Seiten, die sie aufgeregt in den Händen hält.

Was auffällt, ist die große, mit Kreide gezeichnete Weltkarte, die in der Stube über den Regalen hängt und all die Namen der Orte trägt, die Max Kugler inspiriert haben. Und regelmäßig kommen neue Orte hinzu.

Um das Road to bakery ist inzwischen ein regelrechter kleiner Hype entstanden. Natürliches, ursprüngliches Backen, das ohne künstliche Zutaten auskommt, mit viel Zeit und Liebe – das ist für viele ein Stück Kindheit. Und da ist der Preis vollkommen gerechtfertig, mehr noch – der Laden ist täglich leergekauft und die kleine, konventionelle Bäckerei in der Straße ein paar Schritte weiter hat das Nachsehen. Guter Geschmack setzt sich doch durch, denke ich mir, während sich die Schlange Schritt für Schritt nach vorne bewegt. Immer wieder kommen neue Kunden zu Tür herein. Indessen schaue ich mich um und betrachte die Einrichtung. Vieles sieht selbstgezimmert aus: Die hölzernen Regale, die dicken, massiven Balken, die den Kundenbereich von den Backwaren trennen. Auch die Preisschilder, die aus bemalten, hölzernen Plättchen bestehen. Eine gute, alte Backstube.

Mein Nuss-Jonny wird geschickt in Papier gewickelt und mit ein paar schnellen Bewegungen eingedreht. Plastiktütchen? Fehlanzeige. Ich glaube auch gar nicht, dass sie hier so etwas im Laden haben. Mein Herz jubelt.

Wieder auf der Straße greift meine Hand bereits in meine Tasche und in das eingewickelte Papier. Ich halte mich gerade mal so lange zurück, bis ich um die Ecke gebogen bin, dann ist der Jonny fällig. Langsam kaue ich das erste Stück. Hm… was soll denn daran… doch dann beginnt der Geschmack, sich zu entwickeln. Oh mein Gott, die ganzen Nüsse! Dass ist ein richtiges Nussbrot, wie es sein sollte – nicht wie das, was man sonst kriegt, wo der Bäcker gerade mal kurz an einer Nuss gerochen hatte…

Noch im Auto esse ich den Rest und bin froh darüber, nur ein halbes Brot geholt zu haben – denn hätte ich ein ganzes in den Händen, dann wäre auch das mit einem Mal alle…

Und keinen Plastiktüten-Scheiss, denke ich, während ich zufrieden das leere Brotpapier zusammenknülle und nach hinten werfe. Schade, dass wir bei uns in Mannheim keinen Max Kugler-Bäcker haben…

Während ich noch so im Auto sitze und esse, läuft eine blonde Frau in einer strahlend blauen Jacke am Auto vorbei und ich weiß, dass sie bis eben noch auch in der Bäckerei gewesen ist. Schuld daran, dass sie mir aufgefallen ist, ist das Lächeln – stetig, warm und wie aus sich heraus. Sie geht scheinbar ohne festes Ziel, wirkt vielmehr wie jemand, der den Tag und die Sonne genießen will. Das Lächeln wirkt wie ein Türöffner, ich schaue ihr nach. Als ich mein leeres Papier nach hinten auf den Rücksitz werfe, sehe ich sie wieder, diesmal auf der anderen Straßenseite entlang laufen. Und die blaue Jacke leuchtet in der Sonne.

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