Burg Eltz in der Vulkaneifel – Wie aus einem Märchen

Burg Eltz in der Vulkaneifel – Wie aus einem Märchen

Genießt das Wetter! Schallt die Stimme aus dem Autoradio. Denn morgen wird es schon wieder anders sein!

Und wie ich das Wetter genieße. Es ist wieder einmal einer der seltenen Tage, an denen neben knackiger Kälte die Sonne aus vollen Kräften strahlt und kein einziges Wölkchen am Himmel zu sehen ist. Da werden selbst die kalten Temperaturen zur Nebensache; als ich um sechs Uhr morgens das Haus verließ, waren es minus sechs Grad in der Eifel.

Jetzt ist es Mittag, das Thermometer hat sich um den Nullpunkt herum eingependelt und ich folge über kleine Dörfer entlang der Landstraße den Schildern, die mir den Weg zur Burg anzeigen.

Burg Eltz ist, entgegen meiner anfänglichen Hoffnungen, nicht von der Autobahn aus einsehbar, auch nicht von irgend einer befahrbaren Straße aus. Man kann sie nicht zufällig „entdecken“, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Sie liegt versteckt in einem Tal zwischen Hügel und Wäldern, man muss schon gezielt danach suchen.

 

Münstermaifeld

Ein kleiner Ort im Kreis Mayen-Koblenz, in keinster Weise herausragend, verleitet den Reisenden durch nichts dazu, stehen zu bleiben.

Durch fast nichts. Denn da wäre noch die Kirche.

Erhaben steht sie weit oben und ist von weithin sichtbar, der massive Wehrturm des Münsters fällt, gleich einer mittelalterlichen Burg, kilometerweit ins Auge. Nur das Kreuz oben auf den Türmen straft den ersten Eindruck Lügen und weist auf ein Gotteshaus hin.
„Mittelalterlicher Kern, Parkmöglichkeit“, an diesem Schild biege ich in die Stadt ein.

Innen wirkt das Kirchenchor klar, einfach gehalten und etwas dunkel, trotz der durch die kleinen, hoch angebrachten Fenster hereinfallenden Sonne. Das achteinhalb Meter hohe Freskenbild des Heiligen Christophorus an der Wand fällt sofort ins Auge. Ansonsten vermisse ich Licht – weder die kleinen Fenster noch die Ausstattung sind dazu geeignet, mich aus den Socken zu werfen.

Der Ort an sich ist leer, völlig menschenleer. Nur ein paar Autos passieren hin und wieder die Hauptstraße. Ein Rentnerpaar bleibt vor der Kirche stehen, die älteren Herrschaften scheinen auch auf Sighseeing Tour zu sein.

Zunächst laufe ich nur los, um einen besseren Platz für die Aufnahmen der Kirche zu finden. Denn die Fassade ist beeindruckend. Doch als ich weiter gehe, locken mich die kleinen Schilder und laden auf einen ungeplanten Spaziergang ein.

Ein kurzer Blick auf die Uhr. Joah… warum eigentlich nicht.

Es tut gut, das Rauschen der Autofahrt hinter sich zu lassen, die ewige Geräuschkulisse, die mich begleitet und jetzt noch in meinen Ohren summt. Es tut gut, sich von der sitzenden Position in eine stehende zu bewegen und es tut gut, wieder einmal einen langen, ausgiebigen Spaziergang zu unternehmen. Hier und da dringt ein vorsichtiges Zwitschern an mein Ohr und ich ignoriere die Berührung der Kälte, die schneidend nach meinen Händen greift.

Der Maifeld-Dom

Der Rundweg führt zum Eulenturm, der zu meinem Bedauern zugeschlossen ist. Das Holz des Geländers hat die Wärme der Sonne aufgefangen und gibt sie nun an meine Hände wieder. Wie schön solche Tage doch sind! „…Waiting for the summer…“ summt es in meinem Kopf. Ein paar Schritte weiter lädt eine kleine Bank zum Hinsetzen ein: „Mitteralterlicher Rundweg – Ruheplätzchen“, besagt das Schild obendrüber. Zwischen den kahlen Bäumen sehe ich an der Stadtmauer vorbei die sanften Hügel der Eifel in heller, nebelhafter Ferne.

Die Anfänge des Ortes lassen sich bis in die Keltenzeit zurückverfolgen. Es folgte die Besiedlung der Römer, danach deren Abzug und im Jahr 380 erbaute man die erste Kirche. Mitte des 17 Jahrhunderts wurden zahlreiche Menschen in Folge von Hexenprozessen verbrannt und im Jahr 1690 wurde Münstermaifeld aufgrund einer Namensverwechselung bis auf 11 Häuser fast vollständig niedergebrannt. Viel Geschichte steckt also in dieser unscheinbaren kleinen Stadt.

Der Weg verläuft zwischen den Wohnhäusern und an Gärten vorbei, das tiefgefrorene Gras knirscht unter meinen Schritten. Die Häuser mögen ein paar hundert Jahre alt sein, sie sind aus Gestein (Info) und die Fensterläden in rot-gelben Streifen gestrichen, wie man es eigentlich oft auf einer Burg sieht. Am Straßenrand sind einzelne Bonbons und Gummibärchen zu sehen, Überreste der vorangegangener Faschingstage.

Interessierte können einen Stadtrundgang mit einer Wanderung verbinden, knapp sieben Kilometer sind es über einen Fußgängerwanderweg zur Burg Eltz. Ich liebe es, zu wandern, doch am heutigen Tage fehlt mir dazu die Zeit.

Als ich zurückgehe und ins Auto steige, hat sich der Parkplatz bereits befüllt. Auch auf den Straßen sind plötzlich gar nicht so wenige Menschen zu sehen. Sei es der Mittagspause geschuldet oder weil demnächst ein Gottesdienst stattfindet – die Bewohner der kleinen Stadt zeigen sich. Ich fahre weiter.

 

Burg Eltz

Tief im Tal versteckt, vom Rauschen des Flusses umwoben, da wartet sie, wie einem Märchen entsprungen. Die Burg Eltz. Und sie ist es wert. Sie ist es echt wert.

Also, ich bin ja nicht so für Burgen. Habe schon viele gesehen, mich vielleicht ein wenig satt gesehen, denn vor allem bei den Fahrten das Obere Mittelrheintal und das Moseltal entlang klebt je eine davon an fast jedem Hügel. Entsprechend bin ich ein wenig skeptisch, da Bilder von Sehenswürdigkeiten manchmal ein wenig irreführend sein können. Doch die Sonne scheint und das Gras ist grün (und tiefgefroren in diesem Fall…) und so lenke ich den Wagen über die beinahe verlassenen Landstraßen und ignoriere den Zeitgenossen hinter mir, der mich ganz gerne etwas schneller fahren sehen möchte. Die Straßen können glatt sein, du Scherzkeks, denke ich mir und betrachte die teilweise zugeschneiten Hügel, den Raureif auf der Fahrbahn und die Thermometeranzeige, die momentan wieder auf null steht. Und je tiefer ich mich in die wunderschöne Landschaft hinein bewege, umso klarer wird mir, dass ich die gut versteckte Burg niemals aus der Ferne hätte sehen können. Hinter jeder Ecke erwarte ich, einen Hügel mit den Gemäuern derselbigen zu sehen, hinter jedem Hain denke ich mir: Jetzt! Doch was ich sehe, ist nur ein Schild, auf dem Steht: Burg Eltz, noch zwei Kilometer.

Hinter dem Ort Wierschem geht es in einen Wald hinein. An einem Parkplatz ist dann Ende Gelände und ich steige aus dem Wagen. Einige Fahrzeuge mit holländischen Kennzeichen sind bereits vor Ort, eine Gruppe Jugendlicher steht an einem von ihnen. Es gibt einen ausgewiesenen Fußgängerweg bis zur Burg, der mit „15 min“ ausgewiesen ist – eine Kilometerangabe gibt es nicht. Nebenan befindet sich die Haltestelle für die Busshuttles, die hier in der Sommerzeit kursieren, doch jetzt im Winter ist der Busparkplatz leer – die Burg Eltz hat vom November bis Ende März geschlossen. Aber da es nicht erlaubt ist, im Inneren der Burg zu fotografieren, muss ich auch nicht unbedingt hinein.

Der Weg führt gefühlt an die zwei Kilometer durch den Wald. Die ganze Zeit über bin ich alleine – nur einmal kommen mir ein paar asiatische Reisende entgegen. Gerne hätte ich sie gefragt, ob sich die Burg gelohnt hat, aber das werde ich ja sehen.

Was mich umgibt, ist Stille. Bis auf die dezenten Geräusche des Waldes ist kein Lärm zu hören und genau diese Ruhe, zusammen mit dem wärmenden Schein der langersehnten Sonne, fühlt es sich nach der langen Autofahrt an, als wäre eine Last von meinen Schultern genommen worden. Der Alltagsstress verschwindet irgendwohin und nach und nach höre ich auf, mich beeilen zu wollen. Das sind meine Augenblicke, die sind nur für mich. Glänzender Raureif bedeckt die Blätter der Pflanzen wie kleine Diamanten und die feinen, blätterlosen Äste der Bäume sehen aus der Ferne wie in der Sonne glänzende Spinnweben aus. Ein stetiges Rauschen dringt an meine Ohren und wird immer lauter, doch zunächst kann ich den Ursprung nicht ausmachen. Als ich von dem Hang aus, über den der Weg führt, tief ins unten gelegene Tal blicke, ist ein Fluss zu sehen. Die grünen Grasflächen einer Lichtung sind mit einer weißen Schicht Raureif überzogen. Die Bäume werfen durch die tiefe Wintersonne sehr lange Schatten und die Berge erscheinen zwischen morschen, braunen Blättern in nebligem Blau.

An einer Abzweigung studiere ich erst einmal die Schilder. Ich wende mich nach links, vorsichtig an den matschigen Pfützen vorbei, um mich nicht restlos einzusauen. Dann hebe ich den Blick – und bleibe stehen.

Oh, ist die schön!

Verborgen tief im Tal, in ein nebliges Licht getaucht, steht sie da – die Burg Eltz. Nicht hoch oben auf einem Felsen und weithin sichtbar, nein, diese hier ist versteckt wie ein Geheimnis. Die Burgmauern und Türme, hoch und schlank, sehen aus wie aus einem mittelalterlichen Märchen entnommen, die Burg ist nur über eine steinerne Brücke und ein hölzernes Tor in der Mauer erreichbar.Ein Stück weit von dieser Brücke entfernt setze ich mich in die Sonne auf eine Bank.

Ich kann meine Augen nicht von diesem Anblick wenden. Die schlanken, filigranen Türme werden vom Sonnenlicht umspielt, unter dem Dach haben Vögel ihre Nester gebaut und fliegen ein und aus. Unterhalb der Mauern ist ein Gewässer zu sehen.

Ich bin ja nicht so für Burgen, aber diese hier ist echt toll. Schau sie dir an. Sie ist es wert. Und auch wenn du, wie ich, denkst, dass die Burg Eltz von der Seite noch besser aussieht als von vorne auf den Google-Bildern, laufe trotzdem die paar Schritte weiter bis zur Brücke, denn auch der Anblick von vorne hat einen großen Reiz.

Als die Gruppe Jugendlicher vom Parkplatz auftaucht, ziehe ich mich zurück. Der Wanderweg zurück gibt mir die Möglichkeit, die Menschen zu beobachten und lächelnd registriere ich eines: Sie alle reagieren beim Anblick der Burg auf die gleiche Weise. Sie biegen um die Ecke, spähen hinterm Fels hervor und… erstarren wie erschrockene Eichhörnchen. Der Anblick ist überwältigend und jeder, wirklich ausnahmslos jeder, der ihn noch nicht kennt, bleibt erst einmal stehen und zückt seine Kamera.

Als ich wieder durch den Wald und zurück zum Auto laufe, kommen mir immer mehr Menschen auf dem Weg zur Burg entgegen. Ein Mädchen rennt mit langen, lauten Schritten an mir vorbei und stößt ein atemloses Hallo aus. Weit hinter ihr folgt der Bruder. Ganze Familien sind plötzlich unterwegs und ich muss daran denken, welches Glück ich hatte, dass ich die Eltzburg für ein paar schöne Augenblicke ganz für mich alleine haben konnte.

Die Burg ist über die Ortschaft Wieschem zu erreichen. Parkgebühren kosten laut der Homepage 2€, unabhängig davon, ob ihr mit Pkw oder mit dem Motorrad unterwegs seid. Anschließend könnt Ihr den Bus-Shuttleservice nutzen (2€) oder den oben beschriebenen Fußweg von 15 Minuten (1,3 km). Der Fußweg zur Burg ist sehr gut ausgebaut und auch mit einem Kinderwagen befahrbar (es kam mir sogar ein Mann mit Krücken entgegen).  Auf dem gesamten Gelände ist die Nutzung von Drohnen nicht gestattet, in der Burg ist zudem auch das fotografieren nicht erlaubt.

Die Burg kann an sonnigen Sommerwochenenden schnell überlaufen sein. Ich habe selbst jetzt, im Februar und mitten in der Woche, einige Besucher angetroffen und als ich zurück kam, war der Parkplatz fast voll. Wenn Ihr also die Möglichkeit habt, versucht es unter der Woche und am besten am Vormittag, denn sonst kann es Euch leicht ergehen wie in der Hochsaison an der Chinesischen Mauer 😉

 

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