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Hardap Game Park und die Phantom-Nashörner

Hardap Game Park, Namibia
9 September 2017

„Mach doch mal den Motor aus!“ Schimpfe ich, als ich bemerke, dass das Geräusch die Tiere verschreckt. Sogleich drehen sie sich wieder um, um zu sehen, wo das Geräusch geblieben ist. Ein kleiner Bock bleibt wie angewurzelt am Straßenrand stehen, während wir uns kaum trauen, uns zu rühren.

Noch vor den Perlhühnern stehen wir auf. Aus Versehen stellt Stefan seinen Wecker auf halb sechs, doch ich bin lange davor wach. Es ist die herankriechende Kälte, die mich munter werden lässt. So sitzen wir beim Frühstück und besprechen den heutigen Tag.

Die Lodge ist wunderschön hergerichtet, auf Ruhe, Entspannung und Afrika-Romantik ausgelegt. Wir haben ein Himmelbett, mit Moskito-Netzen versehen. Doch Moskitos schwirren hier keine herum. Ihnen ist wohl genauso kalt wie mir.

Gleich nach dem Aufstehen sitzen wir mit einem warmen Kaffee in der Hand auf der rückwärts gewandten Seite unseres Raumes und schauen hinaus auf den hell werdenden Himmel und die rote Erde. Heute werden wir uns hier einen entspannten Tag machen, ohne große Pläne, einzig vom kurz tanken und Adapterkauf abgesehen (wobei die Lodge über modifizierte Steckdosen verfügt). Und zu einem nahe gelegenen Nationalpark fahren, der an einem See gelegen ist und wo man mit etwas Glück Nashörner in ihrem natürlichen Lebensraum bestaunen kann.

Unterwegs zum Spar-Markt sehen wir immer wieder Anhalter. Als wir – inzwischen etwas mutiger geworden – ein Ehepaar mittleren Alters mitnehmen wollen, hält ein Auto vor uns an. Am Spar-Supermarkt sehen wir das Pärchen dann wieder, sie in ein elegantes rotes Kostüm gekleidet.

An den Supermärkten, Tankstellen und größeren Raststätten sitzen die Menschen grüppchenweise am Straßenrand, im Schatten oder in der prallen Sonne. Da an solchen Orten das Anhalten von Fahrzeugen aus Sicherheitsgründen durch eindeutige Schilder untersagt ist und die Polizei ab und zu Streife fährt, hebt keiner von ihnen den Daumen oder macht in irgend einer Art auf sich aufmerksam, doch jeder weiß, warum die Menschen hier sind.

Überhaupt ist Namibia ein freundliches Land bis jetzt. Jeder, ob der Parkwächter oder der Ranger eines Nationalparks, lächelt dich an und fragt: „Hello! How are you?“, bevor er dir irgend eine Frage stellt. Selbst die Polizei grinst bei den Fahrzeugkontrollen fröhlich von einem Ohr zum anderen, als wäre es ein besonders schöner Tag, ehe sie uns weiter winkt.

Eine gewisse Polizeipräsenz stellen wir hier um Windhoek herum durchaus fest, anscheinend gibt es einen erhöhten Sicherheitsbedarf entlang der Hauptrouten.

An einem kleinen Häuschen bezahlen wir den Eintritt für den Hardap Game Park.
„How are you?“ Fragt uns der Ranger, im Schatten eines großen Baumes versteckt, so dass wir ihn zunächst gar nicht bemerken, ehe er in einer lasziven Langsamkeit das Tor öffnet. Vorsichtig bewegen wir den Wagen in das Parkgelände hinein. Von grinsenden Rangern gelenkte Geländewagen, vollbeladen mit zufriedenen Touristen, kommen uns entgegen und ich beginne darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, den Park mit einem Guide zu erkunden.

Das erste Tier, das uns beinahe vor das Auto springt, ist eine Oryx Antilope; begeistert macht mich Stefan auf die Tiere aufmerksam, die in der sandigen Umgebung auf den ersten Blick kaum zu sehen sind. Die Landschaft ist trocken und karg, wenige Bäume, dafür viel Dornengestrüpp. Kleine Springböcke überqueren genau vor uns die Straße, nur um dann mit ihren weiß blinkenden Hintern sogleich im Dickicht zu verschwinden. Kudu-Antilopen stöbern davon, bleiben in sicherer Entfernung kurz stehen, drehen sich nach uns um, nur um uns dann gemächlich ihre Hintern zu zeigen, ehe ich das perfekte Bild schießen kann.

Ich gebe zu, der Jagdinstinkt ist sofort geweckt. „Mach doch mal den Motor aus!“ Schimpfe ich mit Stefan, als ich bemerke, dass das Geräusch die Tiere verschreckt. Sogleich drehen sie sich wieder um, um zu sehen, wo das Geräusch geblieben ist. Ein kleiner Bock bleibt wie angewurzelt am Straßenrand stehen, während wir uns kaum trauen, uns zu rühren.

Wir steuern den See an, an dem es laut Beschreibung Nashörner geben soll. Wie gesagt, mit etwas Glück. Die unbefestigte Fahrbahn wechselt hier in eine sehr sandige, und irgendwann ist der Weg zu ende. Stefan will nicht stecken bleiben und ich denke mit Bedauern daran, wie praktisch ein Allrad Antrieb jetzt gewesen wäre. Nashörner sehen wir keine.

Wir fahren weiter. Der Park ist weitläufig und die unbefestigten Pisten werden immer abenteuerlicher. Wir überqueren ausgetrocknete Flussbetten und steinige, enge Brücken. Einmal steige ich aus, um Stefan hindurch zu lotsen, denn an der engen Stelle drohen links hohe, spitze Steine und rechts geht es steil runter.

Wir suchen uns einen Pfad heraus, der halsbrecherisch steil nach oben geht und wo als Belohnung, der Wegbeschreibung nach, ein Aussichtspunkt winken soll. Das Schild beschreibt diesen Weg als „Trail“- Irgendwas. Also quälen wir das Auto da hoch; Automatikgetriebe abschalten, schön viel Gas geben, dann klappt auch dieses Vorhaben. Fröhlich fahren wir die Strecke lang und wundern uns, dass die Straße immer enger wird. Erst Tage später erfahren wir, dass die Bezeichnung „Trail“ für Wanderwege steht…

Im Game Park sind wir fast die einzigen Menschen. Einmal nur überholen wir zwei Mädels in einem Polo und rätseln darüber, wie man wohl bei solcher Straßenbeschaffenheit mit diesem Vehikel zurechtkommt.

Wir bleiben stehen, schalten den Motor aus, öffnen die Autotüren und genießen die Stille. Nichts, kein Geräusch weit und breit außer uns und dem Summen von Insekten. Ein paar Nashörner wären jetzt nicht schlecht.

Fast drei Stunden verbringen wir im Game Park. Am Nachmittag fahren wir nochmal zum See hin, um unser Glück zu versuchen. Doch das Glück will – in Form eines Nashorn – an diesem Tage nicht zu uns kommen.

Dennoch haben wir eine beeindruckende Auswahl diverser Tiere geschossen, die da wären:

Oryx-Antilope

 

Springbock

Kudu-Männchen

Springbock

Afrikanischer Strauß

 

Springbock

Kudu-Männchen

Steinböckchen

Außerdem noch gesichtet (leider ohne Fotobeweis):

  • Pumba
  • einen kleinen Fuchs
  • Wiesel
  • Einen Pavian, der einsam wie ein Wächter hoch oben auf einem Felsen sitzt

 

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