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Die Skyline von Doha

Doha, Katar
7 September 2017

Die schwüle Hitze draußen haut einen Elefanten aus den Socken, das Taxi dagegen ist schön kühl klimatisiert. Als wir wieder einsteigen, reicht uns der Fahrer eine frische Flasche Wasser nach hinten.

Perlenfischerei war vor der Zeit des Öl die größte Einnahmequelle in Katar

Es geht weiter, die Küste entlang. Unterwegs bestaune ich aus dem Autofenster schauend die Stadt, die ich bisher nur in der Dunkelheit auf der Fahrt zum Hotel sehen konnte. Doha ist eine Stadt im Aufbruch, und das seit einigen Jahren schon. Überall wachsen Wolkenkratzer und Hotels aus dem Boden, Grünanlagen und Palmen säumen die (fast) menschenleeren Straßen. Dekadent, sagt Stefan zu mir und zeigt auf die vielen Rasensprengeranlagen, die die Grünflächen mit Wasser versorgen, mitten in der Wüste.

Und es wird gebaut, Kräne, wohin man sieht: Auf den Straßen, auf den Dächern der Hochhäuser… Wie sind die wohl dahin gekommen? – frage ich mich – durch Zuhilfenahme noch größerer Kräne?

Die meisten Arbeitskräfte hier sind Gastarbeiter. Und sie bauen – für eine reiche Minderheit.

Bauarbeiter auf den Straßen, Kataris hinter getönten Scheiben in tiefgekühlten Autos. Aufgrund der extremen Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit werden in Katar auch die kürzesten Wege mit dem Auto zurückgelegt – und wir lernen schnell, es den Leuten hier gleichzutun…

Grandiose Ausblicke – und eine grandiose Luftfeuchtigkeit 🙂

Das Nationalmuseum von Doha – die Form ist einer Wüstenrose nachempfunden

Scheich Hamad bin Khalifa bin Hamad bin Abdullah bin Jassim bin Muhammed Al Thani, Katars Staatsoberhaupt, überall in der Stadt verewigt

Wir halten an verschiedenen Spots entlang der Küste, von denen aus man unter anderem die Skyline von Doha sehen kann. Auch hält der Fahrer immer an, wenn er merkt, dass wir die Kamera zücken. „Wollt ihr fotografieren?“ Fragt er uns dann.

Der erste Stop ist eine Bucht mit einer Sicht auf Doha und den Persischen Golf, und nachdem Stefan nach den ersten drei Fotos sofort wieder im kühlen Auto verschwindet, laufe ich noch ein Stück die Promenade entlang. Die feuchtwarme Luft wirkt in den ersten Augenblicken ungewohnt erdrückend. Die Witterung am Golf ist mit der dichten Atmosphäre eines Dampfbades vergleichbar. Doch da, wo sich’s Stefan mit der Hitze etwas schwer tut (Luftfeuchtigkeit 80%, und die kommt in Wellen auf einen zugerollt..), stelle ich fest, dass ich die hohe Luftfeuchte sehr gut ab kann. Ich schwitze nicht im Geringsten und meine sonstigen Problemchen mit trockenen Augen und einer geschwollenen Nase sind wie weggefegt. Zumindest bis ich mich wieder in die klimatisierten Räume begebe.

Fröhlich spaziere ich also entlang der rauschenden Wellen des Meeres. Außer mir und den Taxifahrern ist keine Menschenseele zu sehen. Doch, eine Menschenseele ist doch da – und zwar gehört sie einem Katari, der in seinem Wagen vorfährt, aussteigt und mir  mit flatternden Gewändern entgegenläuft. Und während ich noch überlege, ob salam alaikum die angemessene Ansprache ist und ob man die zurückhaltenden Kataris überhaupt ansprechen sollte, grinst er mich breit an und ruft: „Good Morning!“
„Good Morning!“ Sage ich, drehe mich erstaunt nach ihm um und sehe, wie er sich noch beim Laufen eine Zigarette anzündet. So verfallen sie hier also auch den ganz gewöhnlichen Lastern, wie menschlich.

Am Alten Hafen lasse ich mir mehr Zeit. Die Skyline von Doha ist grandios. Von hier aus ist sie in ihrer gesamten Länge zu sehen. Lange betrachte ich die Wolkenkratzer, um mich satt zu sehen; drehe mich dann in die andere Richtung und gehe weiter. Denn hier, in der Nähe des Hafens, wo all die alten Docks auf dem Wasser schaukeln, erhebt sich dahinter  das würfelförmige Museum für islamische Kunst.

Der einsetzende Ruf des Muezzin vermischt sich fast gleichmäßig mit dem Surren und Rattern der Baumaschinen am Ufer. Auf den alten, teilweise sehr schön verzierten Docks sind Inder zu sehen. Ich frage mich, ob irgend ein Katari in diesem Land eine niedere Arbeit verrichtet.

Islamic-Art Museum in Doha, Katar

Der Alte Hafen und die Docks

Als ich mich umdrehe, rollt unser Auto langsam hinter mir her. Ich erkenne Stefan auf dem Beifahrersitz. Wie praktisch, dann brauche ich die ganze Strecke nicht zurück zu gehen; gut mitgedacht, lobe ich im Stillen unseren Fahrer.

Als ich mich wieder in den Wagen setze, steuern wir nun direkt die Wolkenkratzer von Doha an, die sich bislang nur aus der Ferne vor uns erhoben.

Immer wieder kommen wir an Baustellen vorbei. Überhaupt ist Doha so gesehen eine einzige Baustelle. Die Straßen sind aufgekratzt, die Gehwege, die Häuser; überall wuseln dunkelhäutige Arbeiter herum. Nun, wuseln ist vielleicht angesichts der Temperaturen der falsche Ausdruck, denn jede ihrer Bewegungen wirkt, als wenn sie im zähen Blei umherwandern.

Nun sind wir in der City, fahren an den alles überragenden, beeindruckenden Bauten vorbei. Leicht wirkt die Kulisse der Stadt, leicht und kunstvoll, als hätte die Schwerkraft bei der Errichtung so gar keine Rolle gespielt. Das Landesmuseum, das der Form und Farbe nach einer Wüstenrose nachempfunden wurde. Wolkenkratzer, die asymmetrisch dastehen, gehalten scheinbar von der schieren Willenskraft des Designers. Stilisierte Flammen. Ein Gebäude hat die Form eines riesigen Geschenkekartons mit Schleife. Unglaublich, was es alles gibt. Allerdings…
„Die Architektur von Dubai zu protzig finden, dann aber das berühmte Segel kopieren…“ Sage ich zu Stefan, denn obwohl ich gelesen hatte, dass sich die Kataris von dem Wüstenstadt Dubai deutlich abheben wollen, wiederholt sich die weltweit bekannte Form des Burj Al Arab Segels immer wieder in verschiedenen architektonischen Designs – in etwas abgewandelter Form.

Ein Strand erstreckt sich, fast verlassen, vor uns, übersieht mit Sonnenstühlen und Schirmen, in deren Schatten eine katarische Familie Zuflucht und Entspannung gefunden hatte. Man sitzt bei einem Tee beisamen und lässt sich den Wind durch die langen Gewänder wehen.
„This is a privat beach.“ Informiert uns der Fahrer. Aus einiger Entfernung dürfen wir ihn uns angucken.

Danach fahren wir zur Palm Tree Island, einer künstlich aufgeschütteten Insel am Doha Bay. Die Insel ist, wie ich später nachlese, für Doha das, was das Champs Elysees für Paris: Hotels und unfassbar teure Läden wechseln sich ab, zwei Ferraris stehen im Schaufenster eines kleinen, exklusiven Autohauses. Hier gehen Kataris ein und aus, das scheint ihre Welt zu sein. „Very expensive area!“ Informiert unser Fahrer uns. Das glaube ich ihm aufs Wort. Ich beschließe, mich so genau gar nicht erst umzusehen.

Palm Three Island

An einer reich verzierten Moschee halten wir wieder an und werden für Fotos herausgelassen. Es ist in Katar verboten, Moscheen abzulichten! Wir fragen beim Fahrer nochmal nach.
„Oh, I think its okay!“ Sagt er. „No problem!“ Na, ob das denn immer noch ein no problem ist, wenn mich jemand sieht? Während Stefan schnell aus dem Auto heraus sein Foto schießt, steige ich aus dem Auto – für die perfekte Aufnahme. Doch wider Erwarten klicken nicht die Handschellen, nicht einmal die aus den Taxis steigenden Kataris drehen sich nach mir um.

 

Neugierig geworden? Hier alle Folgen im Überblick:

Katar – Medikamenteneinfuhr
Katar – Jenseits des Gesetzes
Katar und die Pille
Die Skyline von Doha
Islamic Art Museum
Souk Waqif
Ein angenehmes Land

 

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