Doha, eine zwiespältige Stadt

Doha, eine zwiespältige Stadt

Doha, Katar
7 September 2017

Das sonore Rauschen des Stromaggregate draußen vor dem Fenster schläfert mich ein. Ich bin erledigt und hellwach zugleich, zögere jedoch, mich schlafen zu legen. Zu aufgedreht, viel zu aufgedreht… und dazu noch in der Gewissheit, an einem völlig anderen Ende der Welt zu sein.
Ich bin in Doha.

Im Zimmer ist es warm, obwohl die Klimaanlage das Zimmer auf angenehme 23 Grad temperiert. Ich widerstehe dem Drang, mal kurz das Fenster zu öffnen, „um frische Luft hereinzulassen“, wie man das in unseren Breitengraden wohl getan hätte. Ich habe ja draußen vor dem Flughafen gesehen, wie „kühl“ und „frisch“ saunaartig die Nächte hier sind.

Das Telefon klingelt, es ist der höfliche Portier von eben, der uns unsere Sachen nach oben gebracht hatte. Er möchte uns etwas für unseren Aufenthalt anbieten, doch ich verstehe nicht, worum es ihm dabei geht. „Sie können morgen Bescheid sagen.“ Sagt er.

Trotz des Schlafmangels bin ich noch vor dem Wecker wach. Die Sonne draußen scheint nicht, wie erwartet, grell vom Himmel herab, im Gegenteil scheint sie hinter einem Dunstschleier zu schweben. Die grandiose Aussicht von gestern Nacht entpuppt sich als ein Mix aus Hochhäusern, Baustellen und einem Blick auf das zugestellte Dach eines anliegenden Gebäudes. Tauben sitzen am Fenstersims, als wollten sie uns Guten Tag sagen.

Die Seife in der Dusche riecht nach Honig, Weihrauch und Gewürzen und hinterlässt einen angenehmen Duft auf der Haut. Produced in Dubai, lese ich auf der Verpackung. Na, mit den Dubai-Importen ist es auch bald vorbei, denke ich mir – solange das Land Katar weiterhin abgeschottet bleibt.

Die Kataris sind sehr freundliche, höfliche Menschen – das ist mein Eindruck nach der kurzen Zeit hier. Man bekommt in diesem Land alles abgenommen, muss sich um nichts selbst kümmern. Was für eine Umstellung wird es erst in Namibia werden, wo wir wieder selbst allem werden nachrennen müssen.

Beim Frühstück schweben die Hotelmitarbeiterinnen wie gute Feen um unseren Tisch herum. Es gibt Hummus, Deftiges, Toast mit Ahornsirup und frisches Obst. Und nun wissen wir auch, was der Portier am Abend uns anbieten wollte – eine Stunde später sitzen wir in einem klimatisierten Wagen und lassen uns im Rahmen einer Rundfahrt durch die Stadt kutschieren.

So eine Rundfahrt durch Doha kostet 60 €, dafür haben wir den Fahrer zwei Stunden zu unserer Verfügung. Jedoch denke ich, dass die Preise hier sowieso Verhandlungssache sind – wir haben, Macht der alten Gewohnheit, nicht verhandelt.

Wir lassen bei Tageslicht die ersten Eindrücke auf uns wirken. Doha ist, ähnlich wie Dubai, eine Autostadt. Und um die Mittagszeit herum – eine fast ausgestorbene Stadt mit wenig Verkehr. Luxuriöse Limousinen ziehen die Straßen entlang und an uns vorbei; hinter den getönten Scheiben sitzen Gestalten in weißen Gewändern, den typischen Männerkleidern eines Katari – oder dunkle Frauengestalten in schwarzen Abayas und Designer-Sonnenbrillen. Ein Ferrari jagt den nächsten. Das reichste Land der Welt; für diese Menschen sind wir ein Staubkorn, denke ich mir.

Wir sehen keine Fußgänger auf den Straßen der Stadt – außer den Menschen, die hier arbeiten: Den Bauarbeitern, die in den Parks pausieren; ausgestreckt im Gras nehmen sie grüppchenweise ihr Mittagessen zur sich – oder den jungen Inder auf ihren Fahrrädern, die in der badewannenschwülen Hitze Pizza von Haustür zur Haustür liefern. Der Großteil der katarischen Arbeitskräfte hier im Land kommt aus Indien. Wie arbeitet es sich wohl im reichsten Land der Welt? – Frage ich mich insgeheim bei ihren Anblick.

Als erstes wollen wir zu einer Apotheke, die Vorräte auffüllen, die aufgrund der strengen, katarischen Einfuhrbestimmungen zu Hause geblieben sind. Der Fahrer lässt uns in einer Einkaufsstraße raus, in der Nähe befindet sich ein kleiner Souk. Touristen sehen ich keine, vielmehr kommen Einheimische hierher. Ich sehe indische Frauen und verschleierte Kataris, wie sie die Straßen entlang schlendern; immer wieder fahren türkisfarbene Taxis vor.

ASS zum Blutverdünnen bekommen wir in der Apotheke nicht (es muss, wie es schient, von einem Arzt verordnet werden, so lautet die Auskunft des Apothekers), dafür liegen hier mindestens sechs oder sieben Sorten Verhütungspillen, daneben die Pidana (=“Abtreibungspille“) vor dem Tresen hinter Glas… verrücktes Land.

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