Katar – Medikamenteneinfuhr

Katar – Medikamenteneinfuhr

Mannheim, Deutschland
6 September 2017

„Du, weißt du eigentlich…“

Mit diesem Satz fing alles an.

Während Stefan und ich gemütlich auf der noch heimischen Couch sitzen, beide in Bilder, Blogs und alles vertieft, was so zur Reise-Vorfreude so dazugehört, dringt seine Stimme plötzlich wie aus dem Nebel in mein Bewusstsein.

„Du, weißt du eigentlich, dass man in den Katar keine Medikamente einführen darf?“ Ich schüttle kurz den Kopf, fühle mich in meiner Tätigkeit gestört. Es dauert einen Augenblick, bis ich realisiere, was er da gerade gesagt hatte: Keine Medikamente? Wie, keine Medikamente?

„Wie, keine Medikamente?“ Frage ich, während mein Kopf die Frage wie ein Echo nachruft. Was ist mit der Reiseapotheke?
„Und was ist mit der Reiseapotheke?“

„Soweit es hier steht, noch nicht einmal Paracetamol.“

Ich kann es gar nicht glauben, fange an, zu recherchieren. Meine Anfrage „Medikamente-Einfuhr Katar“ ergibt nur eine Wirkstoff-Verbotsliste für Dubai und Abu Dhabi, die wir nun akribisch durchgehen. Manche Stoffe sind unter „Narcotics“ gelistet – absolutes Einfuhrverbot. Manche dagegen, wie bestimmte Kreislauftropfen, Nasensprays oder Schmerztabletten bedürfen eine gesonderten, beglaubigten Genehmigung. Meine Augen überfliegen all die Kurzgeschichten über Urlauber, die ob ihrer Unwissenheit bei der Zollkontrolle verhaftet worden sind. Panisch suche ich unsere Reiseapotheke durch, werfe alles raus, was irgendwie nach „verboten“ oder „genehmigungspflichtig“ aussieht. Stefan legt seine ASS 100 aus dem Koffer auf den Tisch. Für umfangreiche Genehmigungen haben wir keine Zeit; als wir die Info lesen, sind es genau zwei Tage vor Abflug.

„So ein Glück, dass du es noch gesehen hast.“ Sage ich zu Stefan, wobei ich unschlüssig meine Schilddrüsentabletten in der Hand halte. Der darin enthaltene Wirkstoff steht nicht auf der Verbotsliste, jedoch will ich blöde Fragen vermeiden. So unwahrscheinlich es auch ist bei den Millionen an internationalen Passagieren, die sich jährlich am Flughafen von Doha tummeln, rausgezogen zu werden, so zeigen jedoch die spektakulären Einzelfälle, dass es auch anders ausgehen kann. Ich will kein Risiko eingehen, entscheide mich dagegen. Lege meine Tabletten zur Seite. Unsere Reiseapotheke ist nun fast keine mehr. Doofe Kataris.

In der Nacht träume ich von Katar, von Zollkontrollen, durchgeführt von Männern in langen, weißen Gewändern. Echos, Stimmen, Licht. Bloß vor der Abfahrt kein Mohnbrötchen essen. Mohn kann auch problematisch werden – in Katar.

Am Tag des Abfluges werde ich noch vor dem Klingeln des Weckers wach. Auf 6:30 Uhr habe ich ihn gestellt – es ist 6:29 Uhr. Ein heißes Bad weckt wieder meine Lebensgeister.

Am Vormittag suchen wir unsere restliche Habe zusammen, packen sie in den Koffer. Dann haben wir nichts mehr zu tun. Stefan schläft. Ich kann nicht schlafen. Überhaupt kann ich seit zwei Tagen nicht mehr schlafen. Gehe shoppen, kaufe lange, angemessene Kleider. Lasse mir die Tage zuvor von einer Freundin zeigen, wie man ein Kopftuch bindet. Stefan schaut mir skeptisch bei meinem Treiben zu.

„Findest du das alles nicht ein bisschen übertrieben?“

Ja, Namibia ist vollständig in den Hintergrund gerückt. Katar, dieses kleine, reiche Land am Persischen Golf, welches ursprünglich nur als Transit-Aufenthalt gegolten hatte, bereitet mir nun mehr Kopfschmerzen als alles andere. Aber ich wollte jawohl die Welt kennen lernen, so what?

Ein Taxi bringt uns zum Bahnhof, der Zug bringt uns zum Flughafen. Nach 6 Stunden in der Luft befinden wir uns im Landeanflug auf Doha.

 

Neugierig geworden? Hier alle Folgen im Überblick:

Katar – Medikamenteneinfuhr
Katar – Jenseits des Gesetzes
Katar – Ankunft in einer zwiespältigen Stadt
Die Skyline von Doha
Islamic Art Museum
Souk Waqif
Ein angenehmes Land

 

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