Luzern – Stadt des Lichtes

Zelten in der Schweiz, Juli 2009
Teil 2.

Ich schlafe unheimlich gut – viel besser, als ich es dem harten Boden unter mir zugemutet hätte. Morgens wecken mich die Strahlen der Sonne auf, die durch die Decke ins Zelt dringen und meine Nase kitzeln, doch trotz der frühen Uhrzeit bin ich frisch und erholt – welch ein Unterschied zum Zuhause. Wenn ich morgens den Kopf aus der Zeltöffnung stecke, spüre ich die kühle Luft auf meinem Gesicht. Um mich herum: Stille, denn die meisten sind noch nicht wach. Und während ich, mit Shampoo und Handtuch bewaffnet, zu den sanitären Räumen gehe, kitzelt das kühle, noch taufeuchte Gras meine nackten Füße und die nebelverhangenen Berge erheben sich dunstig über dem See.

Der Zeltplatz verfügt über einen Kühlschrank, und so räumen wir unsere Lebensmittel kurzerhand um. Wir haben Steaks dabei, die für den Grill gedacht sind – und die wir in einer Akku-betriebenen Kühlbox bis hierher transportiert hatten.

Einen Teil der Ausrüstung haben wir von Freunden geborgt, die des öfteren zelten sind; so sitzen wir bequemerweise an einem Campingtisch, statt auf dem Boden zu essen (wobei mich letzteres in keinster Weise gestört hätte…). Auch hat Jimmy* ein kleines Schlauchboot dabei, welches er jetzt unter den strengen Blicken von sechs Paar Augen emsig aufpumpt. Sechs Paar Augen? Ist Kasia mutiert? Nein, ist sie nicht – zwei kleine, neugierige Enten haben sich neben uns eingefunden und schlappen zwischen uns, dem Zelt und dem Campingtisch quackend hin und her. Doch sechs Paar Augen sind wohl einige zu viel; prompt schafft es Jimmy*, ein Loch in das Schlauchboot zu machen. Die Versuche, dieses mit Hilfe eines Feuerzeugs zu beheben haben ein weiteres Loch zufolge – und so ist unser Schlauchboot nur noch auf den Seiten, doch nicht am Boden mit Luft befüllt.

Doch das ist im Moment nebensächlich; wir machen uns nämlich heute auf, eine bekannte und beliebte Schönheit zu besuchen – die schöne Stadt Luzern.

Das blaue Wasser, die Berge – vor uns ein kleines Mädchen in einem rosa Kleid und Hut, welches die Hand der Eltern hält. Wir warten am Bootsanleger auf unser Boot, welches uns nach Luzern bringen soll. Es ist sonnig, nur ab und zu tauchen kleinere Wolken am Himmel auf, welche für einen kurzen Moment des Schattens sorgen. Und während die leichten Wellen gegen den Steg plätschern und ich die seltsame Ente mit dem orangen getöntem Gefieder bestaune, nähert sich unser Schiff.

Wir sind früh dran, es haben sich noch nicht viele Ausflugslustige am Bord eingefunden. Wir nehmen oben am Deck Platz und fast bereue ich es, meine Sonnenbrille zu Hause vergessen zu haben, denn die Sonnenstrahlen blenden meine nicht dran gewöhnten Augen. Das fantastische Bergpanorama beginnt, sich zu verändern, während sich das Boot in Bewegung setzt, und frischer Seewind umhüllt unsere Gesichter und zersaust das Haar. Immer wieder drehe ich den Kopf gen Berge, kann mich an ihren Anblick nicht satt sehen; kleinere Orte wie auch einzelne schmucke Häuschen ziehen langsam wie ein Film an uns vorbei, Kirchtürme, hier ein Steg, da ein verfallend wirkendes Häuschen aus Holz, über dessen Tür allen ernstes Hotel auf einem Schild geschrieben steht. Nach circa einer halben Stunde werden die Häuser am Ufer mehr, das, was bis dahin ein paar vereinzelte, kleine Orte waren, verwachsen sich nach und nach zur Stadt. Prunkvoller und schöner wirken die Häuser und schon bald sehen wir den Hafen von Luzern.

Schwäne – ganz viele Schwäne haben sich im Hafenwasser versammelt und warten begierig darauf, von den Touristen gefüttert zu werden. Im Hafen herrscht ein Kommen und Gehen, ein kleiner Tumult, wenn man so will; Menschen, die die Boote verlassen, Menschen am Ticketschalter, Menschen, die Boote besteigen. Menschen, die den fortfahrenden winken und Menschen, die einfach dastehen und staunen oder auch fotografieren. Und ich vollführe die erste Amtshandlung meines ersten, richtigen Urlaubs: Ich erstehe eine Postkarte. Mein Chef hat darauf bestanden; so wird die Karte beschrieben und in einen Schweizer Briefkasten geworfen – vielleicht kommt sie noch vor uns in Mannheim an.

Luzern – Überlieferungen zufolge hat der Name etwas mit Licht zu tun. Es gibt viele Vermutungen dazu, wie der Name entstanden sein mochte; von einem erschienenen Licht bis hin zu einer Laterne, die den Schiffen jede Nacht den Weg weisen sollte – die Versionen, die dazu kursieren, sind vielfältig. Tatsächlich war diese Stadt früher einmal für ihre Kerzen- und Wachsherstellung bekannt – bis heute hat sich das jährliche Luzerner Kerzenziehen als Nachhall dieser historischen Namensgebung erhalten. Wir laufen über die berühmte Luzerner Holzbrücke, zusammen mit dem steinernen Turm an ihrem Ende das Wahrzeichen der Stadt. Die Brücke ist über ihre gesamte Länge überdacht und das dreieckig zulaufende Holzdach weist auf seiner Innenseite kunstvolle Malereien auf. Ich verdrehe mir den Hals, versuche, etwas zu sehen, bevor ich vom Menschenstrom weiter getragen werde.

Die Altstadt von Luzern ist zauberhaft; die muss man einmal gesehen haben. Schöne, alte Häuser mit ihren farbenprächtigen, großflächigen Malereien, die die Wände zieren – ich habe so etwas Schönes in der Form bis dahin noch nicht gesehen. Ornamente, Verzierungen, Gesichter, die Planeten und Gestirne darstellen sollen. Rund um den kleinen Marktplatz laden kleine Geschäfte zum Stöbern ein – wir verlassen eines davon mit einer Kuckucksuhr im Gepäck.

Es ist kein Geheimnis, dass das Preisniveau in der Schweiz höher ist als bei uns, jedoch lassen wir uns trotzdem auf einen Kaffee am Marktplatz nieder.

Gegen Nachmittag fahren wir wieder mit dem Schiff zurück – wieder lassen wir das traumhafte Panorama der bläulichen Berggipfel an uns vorbeiziehen. Doch wir nehmen uns vor, noch vor unserer Abfahrt zurück zu kommen, diese schöne Stadt hat einen zweiten Besuch verdient.

Den restlichen Tag verbringen wir damit, zu prüfen, ob das Feuerzeug-behandelte Schlauchboot trotz schlechter Vorzeichen unser Gewicht hält; Jimmy* macht die Probe aufs Exempel und steigt todesmutig hinein – und wider meiner Befürchtungen bleibt das Gummigefährt auch bei Belastung dort, wo es hingehört – auf der Oberfläche des Sees.

* Namen geändert

Veröffentlicht von

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von "windrose.rocks" :-) Ich nehme Euch mit auf meine Reisen, lasse Euch hautnah alle Augenblicke miterleben; Augenblicke des Glücks und des Zweifels, freudige, lustige, mal traurige, und ja... auch mal peinliche Momente. Dies ist für alle, die genauso neugierig sind wie ich, diejenigen, die sich inspirieren lassen wollen oder einfach nur (Reise)Erfahrungen mitnehmen und austauschen möchten. Folgt mir und lasst Euch verzaubern... "Ich mag an dir dieses... rastlose Umherschwirren" (Zitat von Stefan)

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