Motorradtour nach Luxemburg – die Kleine Luxemburger Schweiz

Motorradtour nach Luxemburg – die Kleine Luxemburger Schweiz

April 2017

Langsam und vorsichtig zwänge ich mich durch die engen Felsspalten, immer schön einen Fuß vor den anderen setzend. Die dicken, klobrigen Motorradstiefel sind nicht gerade dafür prädestiniert, sich durch steile, von Moos und altes Laub rutschige Holzstufen zu kämpfen. Doch mit etwas Anlauf komme ich nach oben, gen Sonne; tausche die Kühle gegen fast sommerliche Wärme des Tages.


Wir entdecken diese Stelle, als wir Echternach verlassen und an Bendorf vorbei ins Müllerthal hinein fahren. Immer wieder schwirren andere Biker an uns vorbei und wir balancieren zwischen Gas, Kupplung und dem Linke-Hand-Bikergruß.

Stellenweise scheint die enge Straße geradewegs in die Felsen hinein gehauen worden zu sein. Dann wiederum fahren wir an Felsen vorbei, die so bizarr aussehen, dass ich mich beim Fahren frage, wie denn dieser eine Fels da oben auf dem anderen überhaupt halten kann… geschweige denn die hohe Fichte, die der instabil wirkenden Konstruktion die Krone aufsetzt. Doch sie halten.

Und wir halten auch – einige Kurven später, zwischen hohen Felswänden auf einem äußerst belebten Parkplatz. Etwas ratlos schiebe ich mein Motorrad an die hinterste Ecke des Parkplatzes, wo noch eine kleine Lücke wie für mich gemacht zu sein scheint – ansonsten ist nichts, absolut nichts mehr frei. Ein riesiger Fels neigt sich über mich und mein Motorrad, wie um uns zuzunicken. Besucher fotografieren, gehen herum, klettern über die angebrachten Metallkonstruktionen nach oben und rufen ihre Kinder, das Echo hallt an den Wänden und durch den Wald.
„Wir bleiben nicht allzu weit vom Auto weg, alles, was wir zu Essen brauchen, können wir uns hier am Auto holen.“ Hören ich einen Familienvater auf polnisch sagen, bevor sich seine kleinen Bienen summend auf Erkundungstour machen.

Stefan steuert die nächste Bank an. Ich lasse die schwere Bikerjacke neben ihm liegen und laufe los, quetsche mich mitten in die enge Spalte zwischen den imposant aufragenden, steilen Wänden hinein.

Langsam und vorsichtig zwänge ich mich durch die engen Felsspalten, immer sachte einen Fuß vor den anderen setzend. Die dicken, klobrigen Motorradstiefel sind nicht gerade dafür prädestiniert, sich durch steile, von Moos und altes Laub rutschige Holzstufen zu kämpfen. Doch mit etwas Anlauf komme ich nach oben, gen Sonne; tausche die Kühle wieder gegen die fast sommerliche Wärme des heutigen Tages.

Es ist faszinierend, hier in der Tiefe zwischen den Felsen zu sein. Schier unendlich ragen sie nach oben, wo ganz weit in der Ferne ein Stück blauen Himmel blinzelt und sich das Grün der Bäume neigt. Hier unten ist es gleich um ein paar Grad kühler und es riecht nach Feuchte, nach Moos und dem Laub des vergangenen Herbstes.

Wieder auf der anderen Seite klettere ich auf eine hoch oben gelegene Aussichtsplattform – und werde mit einem Ausblick über die Wälder und das Tal belohnt. In einiger Entfernung flattert eine luxemburgische Fahne über den Baumwipfeln im Wind. Einige Landsleute von mir sind außerdem noch hier und schauen sich begeistert in der Gegend um. Sie nehmen kaum Notiz von mir und so stehe ich eine Zeitlang scheinbar unbeteiligt da, schaue in die Ferne und lausche ihren Gesprächen. Demnach, was ich so mitbekomme, sind sie Freunde, die Urlaub hier machen – ein Mann um die vierzig und zwei Frauen.
„Und? Wie gefällt es euch?“ Fragt er.
„Ja, es ist super!“ Sagt die eine. Sie überlegen, wo sie als nächstes hin fahren sollen, sprechen über andere Kulturen und vergangene Reisen. Irgendwann kommt das Thema Insekten auf und der Mann philosophiert darüber, dass in einigen Ländern Larven als Eiweißquelle die tägliche Kost bereichern, als ich beschließe, dass ich jetzt gerne ein Foto von mir selbst haben möchte.

Ich spreche die Gruppe auf polnisch an. Sie wirken gleichermaßen erfreut wie aufgescheucht, fragen mich, wo ich denn herkomme, ob mit dem Motorrad und wohin wir fahren würden.

Stefan und ich fahren weiter, kommen an den Wasserkaskaden vorbei, die das ursprüngliche Ziel unserer Reise sind. Stefan schaut in den Spiegel und mich an, während er seine Fahrt verlangsamt, doch ich schüttle den Kopf. Es ist schon spät und diese Sehenswürdigkeit scheint heute bei dem warmen Wetter hoffnungslos überfüllt zu sein. In der Nähe erspähe ich einen Campingplatz und wir beschließen, im Sommer zum Zelten hierher zu kommen – der Luxemburgischen Schweiz und den Kaskaden einen zweiten Besuch abstatten. Ich werde durch die Felsschluchten wandern, mich in Höhlen begeben, von welchen ich dort in der Gegend gehört hatte, auf Aussichtspunkte klettern und den Ausblick genießen – während Stefan, sicher geparkt vor unserem Zelt, mit den Füßen im Wasser und einem kalten Radler in der Hand dem müßigen Nichtstun folgen wird…

Hier nochmal alle drei Beiträge:

  1. Motorradtour nach Luxemburg I – Entlang des Rheins und der Mosel
  2. Motorradtour nach Luxemburg II – Die Basilika von Echternach
  3. Motorradtour nach Luxemburg III – Die Kleine Luxemburger Schweiz

 

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