Motorradtour nach Luxemburg – die Basilika von Echternach

Motorradtour nach Luxemburg – die Basilika von Echternach

April 2017

Fast wäre ich gar nicht hinein gegangen, so unscheinbar und gewöhnlich wirkte sie auf mich. Doch nun sitze ich atemlos in einer der Bänke und drehe meinen Kopf nach allen Seiten, versuche, die betenden Menschen nicht zu stören, während ich fotografiere. Ein Mann legt seinen Kopf in die Hände, so dass ich sein Gesicht, dem Altar zugewandt, nicht sehen kann. Ich entferne mich leise und wandere durch das Seitenschiff.

Die Basilika von Echternach, Luxemburg

Als wir morgens in Piesport zum Frühstücksraum des Weinguts laufen, verspricht es, ein sehr warmer Tag zu werden. Die Luft fühlt sich bereits jetzt zur frühen Stunde außergewöhnlich mild an und die Sonne wärmt unseren Nacken. Fast die gesamte Front des Raumes ist verglast und so haben wir einen guten Blick auf die grünen, sanft welligen Weinhügel. Stefan hatte sich draußen beim Rauchen mit dem Besitzer unterhalten und scheint besserer Dinge zu sein.
„Wir können gerne irgendwann nochmal wieder hierherkommen.“ Sagt er zu mir. Nanu?

Nach dem Essen laufen wir hinunter zur Mosel. Die Oberfläche des Flusses glitzert in der Sonne, Radfahrer und Spaziergänger ziehen an uns vorbei. Auf einer Bank lassen wir uns die Sonne auf die Köpfe scheinen. Trauerweiden hängen ihre Äste ins Wasser und die Reflexionen der Sonne erleuchten den braunen Grund. Ich mag nicht weg, spiele mit dem Gedanken, Luxemburg Luxemburg sein zu lassen und hier entlang der Mosel zu spazieren. Stefan zieht mich mit sanfter Härte von der Bank runter.

Piesport – am Ufer der Mosel

Nach Luxemburg nehmen wir den Weg entlang der Mosel. Wir kommen an den charakteristisch roten Sandsteinfelsen des Kylltals vorbei und und passieren die Stadt Trier, bevor wir bei Wasserbillig auf die luxemburgische Seite kommen.

Der Ort Wasserbillig  sollte lieber „Benzinbillig“ heißen. Denn die vielen, sich aneinander reihenden Tankstellen und der Stau vor denselben sind das erste Bild, das sich mir von dem kleinen Ort bietet. „Gibt es hier irgendwas umsonst?“ Frage ich mich, als wir im Schritttempo zwischen den vielen Pkw die Straße entlang rollen. Es riecht zumindest schon mal lecker nach gekochtem Essen, vielleicht wird dieses ja verteilt…?

„Hat all dieser Stau mit den Benzinpreisen hier zu tun?“ Frage ich Stefan, als wir, vollgetankt natürlich, abseits des Trubels am Ufer der Mosel auf einer Bank sitzen. Hier würde es sich öfters stauen, erklärt er mir; teilweise durch die Vorfahrtsregelung an der Kreuzung, teilweise aber schon durch die Tankstellen. Viele kommen von der deutschen Seite in die Stadt hinein, tanken und fahren wieder retour – dadurch entsteht gerade an dieser Stelle ein hohes Verkehrsaufkommen.

Wir entschließen uns, weiter entlang der Mosel zu fahren. Es ist schön, das glitzernde Wasser stets zu unserer Rechten zu haben. Hier, auf luxemburgischer Seite, sehe ich überall rosa blühende Bäume; in den Städten, auf den Wiesen oder einfach am Rand der Straße, die wir entlang fahren. Sind es Kirschen? Äpfel? Ich vermag es nicht zu sagen. Ihre zarten Blütenblätter fallen wie feiner Schnee auf die Fahrbahn und werden vom Wind und von unseren vorbeifahrenden Motorrädern aufgewirbelt. Wie ein pinkes Schneegestöber…

Dann kommen wir durch Echternach. Und noch bevor ich überhaupt weiß, um was für eine Stadt es sich hier handelt, sage ich: Stop. Hier gefällt es mir, hier mag ich verbleiben. Und während wir uns wieder im Schneckentempo durch einen erneuten Verkehrsauflauf schieben, gebe ich Stefan mit Handzeichen zu verstehen, dass wir die Maschinen auf den geräumigen Hauptplatz, von malerischen Häusern gesäumt, bewegen und hier ein Eis essen sollten.

Mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht; denn Echternach, Luxemburgs älteste Stadt, gilt auch als die schönste. Ein tolles Plätzchen zum Verbleiben haben wir uns da ausgesucht…

Der große Platz ist sonnendurchflutet und voller parkender Motorräder. Immer wieder kommt jemand neues hinzu oder es verlässt jemand den Platz, so dass ich mich wie auf einem Bikertreff fühle. Tief gurrende Harleys, hoch kreischende „Reisschüsseln“, wie mein Chef zu sagen pflegt… sie alle sind hier und machen Pause, und auch viele „motorradfreie“ Touristen schlendern durch die schöne Altstadt. Der kleine, hübsche Ort scheint eine Zwischenstation für all jene zu sein, die weiter wollen, die die Schönheit des Landes erkunden. Wir hören ein Mix aus Sprachen; luxemburgisch, französisch, deutsch… die Menschen hier in Luxemburg verstehen in der Regel alle Deutsch, die meisten von ihnen beherrschen alle drei Sprachen – die Amtssprache ist luxemburgisch. Ich fühle mich wohl, überlege jedoch noch zögerlich, ob ich einfach so auf deutsch bestellen soll/sollte/darf, während Stefan, der öfters in Luxemburg unterwegs ist, solche Bedenken vollends abgelegt zu haben scheint.

Brücke bei Wasserbillig, Luxemburg

Nach dem Kaffee kribbelt es mich wieder im Hintern. Nein, nicht buchstäblich – ich habe einfach nur große Lust, es den anderen Besuchern gleichzutun und ein wenig durch den Ort zu schlendern. Stefan, magst du mit? Ach ich sitze so gut… Na dann. Ich marschiere los.

Luxemburger sind unheimlich höfliche und rücksichtsvolle Menschen. Zumindest diesem Bisschen nach, das ich hier an diesem Tag mitbekomme – kein einziger läuft mir vor die Kamera. Sobald ich den Anschein mache, fotografieren zu wollen, bleiben die Menschen stehen, und zwar so unauffällig, als würden sie sich gerade rein zufällig etwas in der Gegend anschauen – wenn das Foto gemacht ist, laufen sie weiter. Ich bin fasziniert, während ich um die Reichsabtei nahe der Kirche schwirre.

Und noch von etwas anderem bin ich schwer beeindruckt, nämlich von der Kirche selbst.

Die Basilika von Echternach

Fast wäre ich gar nicht hinein gegangen, so unscheinbar und gewöhnlich wirkte sie auf mich. Doch nun sitze ich atemlos in einer der Bänke und drehe meinen Kopf nach allen Seiten, versuche, die betenden Menschen nicht zu stören, während ich fotografiere. Ein Mann legt seinen Kopf in die Hände, so dass ich sein Gesicht, dem Altar zugewandt, nicht sehen kann. Ich entferne mich leise und wandere durch das Seitenschiff.

Die kleine Kirche erfüllt ein Zauber, der sich von außen betrachtet nicht vermuten lässt. Es sind die Fenster. Im gleißenden Sonnenschein wirken sie außen anthrazitgrau, doch das ändert sich – sobald man das Innere der Kirche betritt, erwachen sie zum Leben. Die Farben strahlen so intensiv durch die hereinkommende Sonne, dass sie jeden Regenbogen das Schämen gelehrt hätten. Die Fensterbögen sind erfüllt von einer Mosaik aus Glas, kunstvoll und detailreich, die Szenen aus der Bibel zeigen. Die Fenster sind wunderschön. Ich kann nicht anders, ich kann meinen Blick nicht abwenden. Durch das Mosaik aus buntem Glas bildet das Sonnenlicht ein wahres Bad aus Farben, welches sich auf den Steinboden der Basilika ergießt. Und so wandere ich durch diese bunten Sonnenstrahlen.

Vor dem Altar drehe ich mich um – und schaue nach oben, genau auf die kunstvoll gefertigte, in Rot- und Goldtönen strahlende Rosette, die über dem Eingang angebracht ist. Nie, niemals hätte ich gedacht, dass sich hier drinnen so ein Schatz verbirgt. Niemals mehr werde ich an einer Kirche vorbei gehen, ohne einen Blick hinein zu werfen.

Draußen auf dem Platz fühle ich mich, als hätte ich soeben den heiligen Gral in den Händen gehalten. Am liebsten hätte ich allen Besuchern hier zugerufen: Geht unbedingt in diese Kirche rein!

Stefan wartet nicht mehr im Cafe. Ich finde ihn an der Wasserfontäne, die die Mitte des Platzes schmückt, dasitzend und rauchend. Ich komme zu ihm, nehme seine Hände in meine.
„Schatz… ich lasse dich hier nicht weg, bevor du dir nicht die Kirche angeschaut hast.“ Große Lust hat er sichtbar keine, doch er erhebt sich schweren Herzens und folgt mir.

Die Altstadt von Echternach, Luxemburg

Während sich mein Liebster höchstwahrscheinlich fragt, wieso und weshalb ich ihn eigentlich um seinen  Platz auf der Sonnenseite des Lebens gebracht habe, laufe ich voraus, mich freuend wie ein kleines Kind.

Man mag es Angesicht der kunstvollen Ausstattung und der Mosaikfenster kaum glauben, doch dies ist bereits die fünfte Kirche, die an dieser Stelle errichtet steht. Die erste Kirche wurde zwischen 698 und 706 erbaut, war aber schon bald zu klein, um den nicht endenwollenden Pilgerstrom aufzunehmen. Die daraufhin im Jahr 800 errichtete, größere Kirche fiel schon bald einem Feuer zum Opfer und machte 1038 Platz für Kirche Nummer drei. Dieses, im romanischen Stil errichtete Bauwerk währte am längsten und wurde im 17 Jhd mit gotischen Elementen versehen – bis sie schließlich 1794 der Französischen Revolution zum Opfer fiel. Im 19 Jahrhundert diente sie als Steingutfabrik und Exerzierplatz – welch unwürdiges Ende für ein Gotteshaus! Doch dies war nicht das Ende, denn nachdem Teile der Kirche einstürzten, wurde eine Initiative zur Erhaltung der Basilika gegründet und dieselbe schließlich 1868 eingeweiht.

Und hm, auch dies war noch nicht das Ende, denn wir hatten ja noch den Zweiten Weltkrieg, während dessen deutsche Truppen das Bauwerk sprengten. Es folgte ein Wiederaufbau und 1953 wurde die Basilika aufs Neue eingeweiht.

Was für eine bewegte Vergangenheit!

Das Innere des Kirchenschiffs ist einfach gehalten, ungewöhnlich wirkt die eingebaute Holzdecke auf mich. Ja, ungewöhnlich, aber nicht unpassend, und so verschmilzt alles zu einer harmonischen Einheit. Ich nehme Stefan an die Hand und führe ihn das Seitenschiff entlang und an den strahlenden Fenstern und den Lichtreflexionen auf dem Boden vorbei. „Wenn du am Altar bist, lohnt es sich, sich umzudrehen und nach oben zu schauen.“ Flüstere ich ihm zu.

Und während Stefan staunend zum Altar hin wandert, setze ich mich in die hinterste Reihe und betrachte die Fenster. Sie stellen laut meinen Recherchen das Leben des hl. Willibrord dar. Mich fasziniert die Detailtreue, mit der die einzelnen Elemente nach der vielfachen Zerstörung wieder rekonstruiert wurden. Wüsste ich es in dem Moment nicht besser, so entstünde der Eindruck eines friedlichen Gotteshauses, welches unverändert Jahrhunderte überdauert hat.

Hier nochmal alle drei Beiträge:

  1. Motorradtour nach Luxemburg I – Entlang des Rheins und der Mosel
  2. Motorradtour nach Luxemburg II – Die Basilika von Echternach
  3. Motorradtour nach Luxemburg III – Die Kleine Luxemburger Schweiz

Der Artikel kann unbeauftragte und unbezahlte Werbung enthalten. Nach der aktuellen Gesetzeslage ist die Erwähnung, Bewertung und/oder Verlinkung von Produkten und/oder Dienstleistungen jeglicher Art als Werbung zu kennzeichnen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.