Der größte Geysir der Welt…

Andernach, Juni 2017

Die Kinder haben inzwischen die Absperrung okkupiert und ich kämpfe mit einem Franzosen, der sich unvermittelt vor mich geschoben hat, um den besseren Fotoplatz. Die Kamera im Anschlag warten wir und…
„Es geht los.“ Sage ich leise. Auch die anderen bemerken es; da, da tut sich was…!

Der größte Geysir der Welt…

…ist mit ca. 100-130 m Höhe der Steamboat-Geysir in Yellowstone-Nationalpark, USA.

Ich stehe vor dem Schiff, auf welchem mit blauen Lettern auf strahlendem, weißen Rumpf geschrieben steht: Der größte Geysir seiner Art auf der Welt!

Wir sind am Rhein, in Andernach.

Nur – was bedeutet das: „Der größte seiner Art“?
Ich recherchiere weiter, nachdem ich oben auf dem Deck Platz genommen habe. Der Andernacher Geysir, der früher einmal Namedyer Sprudel hieß, ist mit seinen bis zu 60 Metern tatsächlich der höchste Kaltwasser-Geysir der Erde und inzwischen zu einer äußerst bekannten touristischen Attraktion geworden.

Um mich herum – fröhliche, aufgeregte Gesichter; eine Schulklasse ergießt sich schnatternd und lachend über die Bänke des Schiffes. Teilweise dringen Fetzen Französisch an mein Ohr. Viele Menschen sind unter anderem eigens aus Frankreich hierher gekommen, um sich das Spektakel anzusehen.Ich sitze da, schaue schläfrig aufs Wasser hinaus. Die Sonne wärmt meine Glieder; nach den frischen 2 Grad heute Morgen sind es jetzt 22 Grad warm geworden und ich fühle mich sehr wohl in der Sonne und in der Wärme. Der Wind ist nur ganz leicht da und streift kaum merkbar mein Gesicht, ich schließe die Augen, denke zum ersten Mal wohl an überhaupt nichts mehr. Es gibt so wenige perfekte Augenblicke.

… in Andernach! 😉

Dann fühle ich ein kaum wahrnehmbares Ruckeln; das Schiff setzt sich langsam in Bewegung. Ein alter Mann, Franzose, setzt sich zu mir an den Tisch. Sein Gehstock fällt unter die Sitzbank, doch er lässt ihn liegen. Die ganze Zeit über filmt er die Umgebung, die grün bewachsenen Ufer des Rheins. Kurz danach setzt sich sein Freund dazu. Zwei alte Männer, die zusammen unterwegs sind. Ich stelle mir die beiden als Jahrzehnte lange Freunde vor.

Der Franzose telefoniert. Er spricht langsam, mit Bedacht. Qui, qui… höre ich am Schluss. Er legt auf, schaut mich an, lächelt, sagt etwas, kommentiert sein Gespräch. Ich lächle zurück. Und im selben Moment wird ihm, deutlich erkennbar, bewusst, dass ich ihn ja höchstwahrscheinlich nicht verstehen kann…
Er hat ein schönes, altes Gesicht voller Ausdruck, die Spuren des Lebens sind darin eingezeichnet. Gerne hätte ich ihn fotografiert, aber irgendwie mochte ich nicht zu fragen.

Wir sind an der Namedyer Werth, einer Halbinsel am Rhein. Vom der Schiffsanlegestelle bis zum Geysir ist es kein weiter Weg. Ich folge einfach den Vorauslaufenden und nach vielleicht drei- oder vierhundert Metern den Schotterpfad entlang sind wir schon da. Der Geysir blubbert leise vor sich hin, ein wenig Wasser ist in seinem Inneren zu sehen. Die Schotterpiste und die Steine um den Geysir herum sind bereits nass.
„Wissen Sie, wann es losgeht?“ Frage ich einen neben mir stehenden Besucher, der, genau wie ich, bereits fleißig am fotografieren ist. Doch der weiß es nicht genau. Und selbst der Guide, der mit uns gekommen ist, kann keine allzu exakte Vorhersage machen.
„Er ist nicht so pünktlich wie die Deutsche Bahn, so dass sie die Uhr danach stellen können.“ Sagt er. Daraufhin fange ich – und mit mir noch andere Umherstehende, laut zu lachen an…

Der Geysir kommt in einer schönen Regelmäßigkeit alle 100 Minuten zum Ausbruch, ein Ausbruch dauert so an die 20 Minuten. Doch auf die Minute genau kann man den Ausbruch nicht berechnen. Also warten wir…

Die Kinder haben inzwischen die Absperrung okkupiert und ich kämpfe mit einem anderen Franzosen, der sich unvermittelt vor mich geschoben hat, um den besseren Fotoplatz. Die Kamera im Anschlag warten wir und…
„Es geht los.“ Sage ich leise. Auch die anderen bemerken es; da, da tut sich was…!

Es ist kein plötzlicher Ausbruch. Es ist eher wie ein stetes Ansteigen, zuerst wenige Zentimeter, dann immer höher… doch geht alles ganz schnell und eher wir uns versehen, erreicht der Geysir seine majestätische Größe von ca. 60 Metern und alle Köpfe heben sich beeindruckt nach oben. Diejenigen, die bis eben noch wie ein Gürtel um die Steine herum standen, zerstreuen sich nun übereilt in alle Richtungen. Nun, so viel kann da nicht passieren, der ausbrechende Wasserstrahl ist steil nach oben gerichtet und fällt bei der windlosen Witterung fast zielgenau wieder an derselben Stelle runter. Einige unvermeidbare Spritzer landen jedoch trotzdem auf der Kleidung und den Kameras der Besucher. „Die Wasserspritzer nicht wegrubbeln!“ Warnt uns der Guide. „Sonst zerkratzen die darin enthaltenen Salze die Linse! Später auf dem Schiff mit ein bisschen Wasser wegwischen…“ Und tatsächlich, da, wo ich eben Wassertropfen sah, bleiben nur noch kleine, weiße Salzflecken…
Wir verdrehen uns die Köpfe, schauen in die Sonne, zum Geysir hoch, die ersten Sekunden seines Ausbruchs sind faszinierend. Ich muss beim Filmen meine Kamera senkrecht halten, um das steil in die Höhe ausbrechende Wasser in Gänze festhalten zu können. Der Wasserstrahl bleibt nicht stetig oben, er wird schon bald nur noch wenige Meter groß und kommt eruptionsweise zum Vorschein. So verhält es sich dann die gesamte restliche Dauer.

Und dann hört es auf – ganz plötzlich, einfach so. Und von der ganzen majestätischen Pracht bleiben nur noch ein paar blubbernde Bläschen auf der Oberfläche zwischen den Steinen übrig.

Nun ist die Spannung verflogen, Erwachsene wie Kinder verziehen sich nach und nach wieder zum großen Platz unweit des Geysirs, setzen sich auf Bänke und Steine, studieren die Schautafeln oder verteilen sich in der Landschaft. Obwohl der Ausdruck sich in der Landschaft verteilen vielleicht nicht ganz richtig ist, denn der Naturpark als solcher ist für den Besucher nicht frei zugänglich; Absperrungen entlang der Wege sorgen dafür, dass man selbige nicht verlässt. Einige klettern die Steine zum Geysir hoch und füllen sich die leise blubbernde, leicht matte Flüssigkeit in Wasserflaschen aus Plastik. Wozu sie das machen, ist mir schleierhaft, stellte ich doch kurz vorher bei einer Selbstverkostung fest, dass mir das hochmineralisierte Wasser der Quelle so gar nicht zu schmecken vermag… aber vielleicht macht es blinde wieder sehend und lahme wieder laufend, wer weiß…

Ich stelle mich zu den wenigen Zuschauern, die noch am Geysir geblieben sind und den Erzählungen des Guides lauschen.
„…ca. 340 mg Magnesium, das ist mehr als in jeglichem Mineralwasser enthalten! Das Wasser, welches hier aus dem Geysir kommt, ist viele tausend Jahre alt.“ Der Guide erklärt gerade, wieso das Wasser des Geysir eine überaus gesunde Angelegenheit sei. Das erklärt dann wohl auch das fleißige Befüllen der Wasserflaschen.

Der Geysir funktioniere wie eine Mineralwasserflasche, die geschüttelt wird. Kohlensäure sorgt für Druck, der sich in den regelmäßigen Eruptionen entlädt. Die Temperaturunterschiede des Wassers sorgen dafür, dass der Geysir wie eine Zeitschaltuhr funktioniert.
„Nachts decken wir den Geysir ab, da passiert dann nichts mehr.“ Erklärt er. Denn der Druck im Wasser entsteht erst durch Bewegung. Auch eine Sprudelflasche steht dann unter Druck, wenn man sie schüttelt. Stellt man sie einfach nur ins Regal, passiert rein gar nichts. Genauso verhält es sich mit dem Geysir. Durch die immerwährende Bewegung des Wassers kann sich neuer Druck aufbauen. Kommt da ein Deckel drauf, ist es vorbei mit dem Schauspiel und ein Ausbruch lässt sich erst am nächsten Morgen wieder beobachten, einige Zeit nachdem der Deckel abgenommen ist.
„Beim ersten Mal zischt es auch sehr laut, das kann ich jeden Morgen hören.“ Sagt ein Zuschauer. „Ich wohne gleich da drüben.“ Er zeigt mit der Hand hinüber zu der anderen Seite hinter den Bäumen.

So erfahren wir auch, dass auf diese Weise der Geysir auch den ganzen Winter über abgedeckt ist.
Das Erlebniszentrum Geysir Andernach hat von April bis Oktober geöffnet. Der Eintritt kostet für einen Erwachsenen ohne Ermäßigung 15 Euro (Stand 2017), Karten gibt es im Erlebniszentrum zu kaufen. Die Schiffe fahren alle zwei Stunden, das letzte Schiff fährt um 17:30 Uhr. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten, das Schiff bringt Dich bis zur Anlegestelle an der Halbinsel. Ein Guide begleitet die Gruppe und erzählt Wissenswertes rund um den Geysir. Ein Ausbruch dauert ca. 20 Minuten, danach fährt das Schiff die Besucher wieder zurück.
Bei dem Ticketpreis ist die Ausstellung im Erlebniszentrum mit inbegriffen, welche Du entweder vor – oder auch nach der Fahrt zum Geysir besuchen kannst (und welche ich mir anschließend gespart habe…).

Anfahrt: Die aktuellen Daten findest Du hier
Parken: Vor dem Erlebniszentrum gibt es parkscheinpflichtige Parkplätze.
Oder Du fährst bis zum Runden Turm: Dort befindet sich ein großer Parkplatz genau an der alten Stadtmauer, für den Du weder Parkschein noch Parkscheibe brauchst:

Hochstraße 1
56626 Andernach
Deutschland

Warst Du schon mal in Andernach und hast den Geysir besucht? Oder möchtest Du so einen Besuch mal machen?
Dann schreib mir darüber in den Kommentaren 😉

Veröffentlicht von

kasia

Hi, ich bin Kasia, die Stimme von „windrose.rocks“ :-)
Ich nehme Euch mit auf meine Reisen, lasse Euch hautnah alle Augenblicke miterleben; Augenblicke des Glücks und des Zweifels, freudige, lustige, mal traurige, und ja… auch mal peinliche Momente. Dies ist für alle, die genauso neugierig sind wie ich, diejenigen, die sich inspirieren lassen wollen oder einfach nur (Reise)Erfahrungen mitnehmen und austauschen möchten. Folgt mir und lasst Euch verzaubern…

„Ich mag an dir dieses… rastlose Umherschwirren“ (Zitat von Stefan)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.