Cefalu – Perfekte Wellen

Cefalu – Perfekte Wellen

Nach dem Erkunden der engen Gassen der Stadt gehen wir zu meiner Freude zurück zum Strand. Die Sonne hatte sich inzwischen gedreht und lässt die Hello Kitty-Reihe erstrahlen. Das Meer rauscht einladend und die Wellen schlagen Mal für Mal am Ufer auf. 

Der Tag geht in unsere Erinnerung ein als der gefühlt schönste Tag unseres Urlaubs. Vergeblich versuchen wir, ihn gegen Ende der zweiten Sizilienwoche zu wiederholen; der Wind ist nicht mehr der gleiche, die Wellen sind nicht mehr die gleichen, das Erlebnis ist nicht mehr das gleiche wie damals, an diesem warmen Augustnachmittag, als wir die strahlende, von bunten Strandtüchern gesäumte Promenade für uns erobern.

Das Wasser ist ungewöhnlich warm an diesem Tag, selbst für mich, die immer zuerst den kleinen Zeh in die Wellen steckt. Da ich noch nie der Typ fürs zu lange Liegen auf der Strandmatte war, springe ich sogleich ins Meer. Nach einigem Herumplantschen versuche ich, die Menschen um mich herum nachzuahmen, die teils auf aufblasbaren Ringen auf den Wellen schwimmen, sich aber teils vom Wellengang ans Ufer an den Strand treiben lassen.
Was für ein Spaß! Ich passe die perfekte Welle ab, werfe mich ins Meer und sie trägt mich bis an den flachen Strand.

Ich mache sogar eine kleine Reise; neugierig umrunde ich die Mole und schwimme, mich immer weiter weg vom Strand entfernend, an der Küstenlinie entlang und nähere mich den sandfarbenen Häusern der Stadt. Beobachte Jugendliche, die auf den Steinen stehen. Lasse die Menschen hinter mir. Und fühle, wie der Stress der letzten Wochen vor dem Urlaub von mir abfällt; die Bilder der letzten Wochen, die mich bis dato überallhin begleitet haben, lösen sich auf und verschwinden und so langsam beginne ich, so etwas wie Unbeschwertheit, wie Glück zu empfinden.

Dann kehre ich zurück und werfe mich wieder in die Wellen, einvernehmlich lachend und quietschend mit den Menschen um mich herum, die das gleiche tun wie ich. Ich könnte ewig so weitermachen.

Das tue ich dann auch, und auch Jimmy* scheint seinen Spaß zu haben. Wobei sich der Spaß für ihn eher auf der Decke mit gelegentlichem Abkühlen abspielt.

Wir bleiben bis in den späten Abend da.

Gegen Abend wird der Strand wider Erwarten immer voller. Gehen denn die Menschen um diese Uhrzeit nicht eher nach Hause, in eine Taverne oder wohin auch immer? Aber nein, immer mehr Handtücher bedecken den Strand; ganze Familien breiten ihr mitgebrachtes Essen und trinken aus. Am Ufer tauchen nach und nach Boote auf. Große, kleine, alles ist dabei.

„Die feiern hier ein Fest.“ Sagt Jimmy*. Er hatte sich erkundigt. „Alle versammeln sich heute am Strand, mit Freunden und der ganzen Familie, und sie feiern die ganze Nacht durch.“
„Was ist das für ein Fest?“ Frage ich. Doch das weiß er leider nicht. Ich bin sofort Feuer und Flamme. Jimmy* nicht. „Wir müssen Heim.“

Sehr gerne würde ich bleiben und mich der Festivität anschließen; einfach am Strand sitzen, die untergehende Sonne und die feiernden Menschen beobachten, sich mal der Kultur der Insel anzunähern. Solche Dinge machen mich immer neugierig. Doch wir hatten noch einen weiten Weg um die halbe Insel vor uns und wollten nicht im Dunkeln nach Hause fahren (warum eigentlich nicht…?)

Doch sobald ich im Auto sitze, macht sich die Erschöpfung des Tages in mir breit, den ganzen Tag in den Wellen tanzen ermüdet; es sollen Bilder von mir kursieren, wie ich, den Sitz zurückgelehnt und den schwarzen Hut vom Kopf gerutscht, im tiefen Schlummer nichts mehr vom Heimweg mitbekomme. Das halte ich natürlich für ein völliges Gerücht, versteht sich… 😉

Spät im Dunkeln kommen wir in Raffadali an Francos Anwesen an. Müde steige ich aus dem Auto und schleppe mich hinter Jimmy die Auffahrt hinauf. Wir laufen durch das Tor und lassen uns, wie jeden Tag, von dem grauen, zotteligen Köter ankläffen, der, wachsam wie der Polizeifunk, das große Haus bewacht…

(*  Namen geändert)

Das war: Sizilien, August 2010

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