Siziliens Südküste – Siculiana Marina

Siziliens Südküste – Siculiana Marina

Der neu entdeckte Strand von Siculiana Marina wird zu unserem Lieblingsort. Er ist im Grunde nichts Außergewöhnliches – weder ist der Strand außergewöhnlich weiß noch ist die Aussicht außergewöhnlich schön- und doch haben wir uns in diesen Ort verliebt. Und mit eben jenem Strand haben wir einen malerischen und vor allem ruhigen Platz gefunden, an den wir immer wieder zurückkehren möchten.

Wir genießen die Gemütlichkeit und die Tatsache, als einzige Touristen unter all den Einheimischen zu sein. Das Auto sichern wir längst nicht mehr mit der Parkkralle ab; im Laufe der Zeit stellen wir einfach fest, dass die Menschen hier keine Schurken, sondern einfach nur… Menschen sind – meist sogar ausgenommen hilfsbereit und freundlich. So hatte uns eine Dame, die mit uns in Three Palms logiert, eine Physio-Massage angeboten – einfach so. Sie sei Physiotherapeutin und möchte, dass wir sie weiter empfehlen an Menschen, die wie wir zu Besuch auf die Insel kommen…

Wir wandern die Promenade entlang, genüsslich an unserem Eis schleckend; braten in der Sonne oder gehen ins Meer. Hinter uns sind pastellgelbe Häuser zu sehen, von denen ich mich immer wieder frage, wer dort direkt am Strand wohnt; oder sind es vielleicht Hotels? Zu unserer Linken ragt ein nicht sehr hoher Turm auf, der das Aussehen von Siculiana Marina prägt. Wir fühlen uns wohl hier – an der wunderschönen Scala dei Turchi, der Treppe der Türken, waren wir bisher nur ein einziges Mal.

Wenn wir gerade einmal keine Lust auf Sonnenbaden haben, schlendern wir die Küstenlinien entlang, bewundern die Farben des Sandes, das ockerfarbene Gelb, die Wirbeln, die das Wasser zwischen den Steinen entstehen lässt. Manchmal wandere ich den Steg entlang, lasse den salzigen Wind mit meinen Haaren spielen – und fühle mich frei. Alles ist wie weggeblasen, alles ist vergessen. Was immer ich an Sorgen und Gedanken noch im Kopf mitgebracht habe; hier sind sie weg.

Die großen Steinquader der Mole ragen tief ins Meer hinein; am ihren äußersten Ende steht die schneeweiße Statue der Jungfrau Maria, die dem Strand seinen Namen gab. Sie sollte Seeleute beschützen, die hinaus aufs Meer fuhren.
An manchen Tagen, wenn uns gerade nicht nach Schwimmen zumute ist, setzen wir uns dorthin über dem Wasser in die Sonne und beobachten den Wellen beim Tosen und Schäumen zu. Doch egal, wie weit oben wir sitzen, es ist doch nie hoch genug – denn wenn das Meer stürmisch ist, und das ist es an dieser Stelle öfters, erwischt uns immer mal wieder eine Welle; und dann springt je einer von uns erschrocken und salzig-nass von seinem Sitzplatz in die Höhe.

Sizilien hat das beste Eis, das ich jemals gegessen habe, und das kann ich auch heute noch, nach fast sieben Jahren, genauso unterschreiben. Es ist nicht wässrig wie man es hierzulande manchmal kennt; es ist in besonderem Maße reichhaltig, cremig, weich und geschmacksintensiv. Es hat seine ganz eigene, leckere Konsistenz.

Und auch hier erleben wir eine echte Überraschung, denn das beste Eis bis dato kosten wir nicht in einer Eisdiele mitten in der Stadt, sondern an eben jenem Strand von Siculiana Marina, an dem in einer abgegriffene Bude irgendwo am Strand, die aussieht, als könne sie den nächsten Sturm nicht überstehen (und wahrscheinlich kann sie das auch nicht), ein etwas schmuddelig wirkender, wortkarger Verkäufer steht, der keine Miene verzieht, während er unsere Becher mit den besten Eiskugeln füllt, die wir je gegessen haben.Eine abgegriffene Bude, ein abgegriffener Verkäufer, doch das Eis, Himmel! Das Eis ist einfach das beste.

Das war: Sizilien, August 2010

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2 Gedanken zu „Siziliens Südküste – Siculiana Marina

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