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Pamukkale: Hierapolis und die Kalksinterterrassen

Türkei, Mai 2014
Teil 14

Nach einer waghalsigen Fahrt an einer vielfältigen Landschaft vorbei kommen wir an einem Plateau an, welches eine hervorragende Aussicht bietet – die trockene, karge Ebene erstreckt sich vor uns bis zum Horizont. Die Anlage ist sehr hübsch gemacht, mit viel Grün, Blumen und so weiter. An Schranken vorbei betreten wir das Gelände.

Die Reiseleiterin nennt uns noch kurz den Zeitpunkt, zu dem wir uns wieder am Bus einfinden sollen (zwei Stunden zu unserer Verfügung), dann werden wir allesamt in die Freiheit entlassen. Wir folgen all den anderen Touristengruppen und kommen so an einem großen Platz an, in dessen Mitte ein meterhoher, bunter Hahn steht. Ein Hahn? Wieso denn ein Hahn? Ich beobachte, wie ein kleines, blondes Mädchen im rosa Hut und Kleidchen für die Fotos ihrer Mama posiert.

Es ist heiß, sehr heiß. Wir stampfen den Weg nach oben zum antiken griechischen Hierapolis-Theater. Schweiß rinnt uns die Gesichter hinunter. Hier und da liegen große Gesteinsbrocken verstreut, Bruchstücke von Säulen, teilweise noch stehend, teilweiser auch schon eingestürzt und vom Gras überwuchert, und überall um uns herum wächst roter Mohn. Es sind Grabstätten und Totenhäuser hier um uns herum; tatsächlich beherbergt der Ort über 1200 Gräber.

Da sich meine Bräunungsmethode (die weitestgehend darin bestand, die Sonnencreme zu „vergessen“), nun, als, hm na ja… allzu effizient erwiesen hatte, laufe ich heute in langen Jeans herum. Doch ich muss sagen, es ist so nicht heißer als ohne; ab einem bestimmten Temperaturlevel wirkt eine zusätzliche Schicht Kleidung wie eine kühlende Isolierung, die die grillenden Sonnenstrahlen von der Haut fernhält.

Man sieht hier und da kleine, verstreute Besuchergrüppchen stehen. Wir laufen an zwei Mädels in String-Bikinis vorbei; dann passiert uns wiederum ein traditionell gekleidetes, türkisches Paar. Hier treffen Welten aufeinander und ich schaue den beiden Mädels nur verständnislos hinterher.

Der schweißtreibender Weg hoch zum Theater lohnte sich – der Ausblick um uns herum ist gigantisch.

Das ehemals griechische Theater der Stadt Hierapolis (griech. die heilige Stadt) sowie die ausgedehnten, teilweise unterirdisch verlaufenden Grabanlagen wurden rund um die heißen Naturquellen der Kalksteinterrassen herum gebaut, deren Wasser zur Bearbeitung von Wolle genutzt wurde. Auf dem Wollhandel basierte der Reichtum der antiken Stadt, daher auch der Name: Pamukkale, was auf türkisch laut Wikipedia so viel wie Baumwoll- oder Watteburg bedeutet.

Menschen kommen, machen Bilder und gehen wieder, Nina und ich setzen uns auf die steinernen Stufen und schauen hinunter. Wir sind nicht den ganzen anstrengenden Weg hier hochgekraxelt, um gleich wieder zu verschwinden. Gerne hätte ich mir die gesamte Anlage inklusive unterirdischer Grabstätten ausgiebig angeschaut, doch wie gesagt, zwei Stunden… und wir wollen noch im Wunderwasser der heißen Quellen plantschen.

Zunächst bewundern wir die schneeweißen Landschaften aus der Ferne, laufen die eigens aufgebauten Holzstege entlang, die dazu da sind, damit man nicht auf den Kalkflächen herumtrampelt. Nahe der heißen Quellen gibt es Umkleidekabinen mit Toiletten – und da kam dann unser Bikini zum Einsatz.

Ich weiß, ich sah katastrophal aus. Ich hatte ja im Vorfeld etwas vom „Bräunen“ erwähnt. Das äußerte sich in tiefroten, verbrannten Oberschenkeln, deren Farbtonation bereits fast schon ins Lila wechselte. Ich lerne es aber auch nie; das letzte Mal, dass ich mich so verbrannte, war auf Mallorca 2009.

Nun, ich muss sagen: es fühlt sich nicht so schlimm an wie es aussieht, und so hüpfen wir gutgelaunt in den natürlichen, helltürkisblauen Swimmingpool.

Pamukkale ist, wie fast alle Attraktionen dieser Art, tagsüber ziemlich überlaufen; sicher würde es sich lohnen, abends mit einem Mietwagen herzukommen, um die heißen Quellen für sich alleine zu haben – ganz ohne Zeitdruck. So hatten wir hier einen Arm, da einen Fuß neben uns; es war voll. Nichtsdestotrotz war es beeindruckend; vom Rand des natürlichen Beckens ab fiel die Felswand steil nach unten ab und es bot sich eine Aussicht auf den darunter liegenden See und die weite Ebene. Ich war stolz darauf, ein solches Naturwunder gesehen zu haben und davon später erzählen zu können; Touristen hin oder her, es war eine herrlich entspannte Zeit.

Als wir am Abend vorher die Promenade von Marmaris entlang flanierten, da begegnete uns wieder einmal diese nette, türkische Dame aus dem Hotel, die uns am Tag unserer Ankunft voller guter Laune prophezeihte, wir würden ja doch hier bleiben… Nina blieb stehen und die beiden unterhielten sich. Als die Frau erfuhr, dass wir nach Pamukkale wollen, lachte sie laut auf und fragte: Wie schön wollt ihr denn noch werden? So erfuhren wir, dass dem Wasser schönheitsfördernde Eigenschaften nachgesprochen werden. Und wahrscheinlich macht es auch Lahme wieder laufend und Blinde wieder sehend, denke ich mir grinsend, als ich jetzt noch ein bisschen tiefer in dieses herrliche, 35 Grad heiße Wasser eintauche.

Auf den Holzstegen stehen unzählige Paar Schuhe herum. Es wird penibel darauf geachtet, dass ja jeder sein Schuhwerk auszieht. Füße, Füße, den ganzen Tag Füße; und sobald ein Paar dieser Füße beschuht sind, ertönt sogleich der schrille, mahnende Ton der Trillerpfeife. Ich glaube, die Wächter träumen nach so einem Arbeitstag selbst nachts noch von Füßen…

Viel zu schnell geht die Stunde vorüber, viel zu schnell nähert sich der Zeitpunkt der Abfahrt. Doch wer glaubt, man würde uns auf direktem Wege nach Marmaris befördern, irrt; nach ca. einer Stunde Fahrt halten wir vor einer „Textil-Manufaktur“. Dann werden wir alle aus dem Bus gebeten und das Gefährt listigerweise „aus Sicherheitsgründen“ abgeschlossen. So tappen wir mangels Alternativen in die riesige Verkaufshalle hinein. Es gibt hier alles, von Bekleidung über Bettwäsche bis hin zu Vorhängen, doch zu Preisen, die einen mit den Ohren schlackern lassen. Ziemlich schnell verlassen Nina und ich die Halle und warten draußen auf die Weiterfahrt. Der Himmel über uns hatte sich zugezogen; bedrohlich aussehende, schwarze Wolken türmen sich am Horizont auf. Es fängt an zu regnen. Ich wünschte, ich hätte Zigarillos dabei.

Hier gibt es die Übersicht aller Folgen der Marmaris-Reisegeschichte:

Teil 1. Marmaris – die Qual der Wahl
Düsseldorf – die Suite
Düsseldorf – viel Metall und Glas
Düsseldorf – im Konsulat
Teil 2. Olüdeniz – oder doch nicht…?
Teil 3. Ich vermute dahinter System
Teil 4. „What is your name?“
Teil 5. „Kommt wieder!“
Teil 6. Dancing night auf der King Cezar (?)
Teil 7. „Delphins! Delphins!“
Teil 8. Die Jeep-Tour
Teil 9. Der Deal
Teil 10. Der Jesus-Steg
Teil 11. Spartakus kommt zur Besuch
Teil 12. „Ich will dich sehen, ich komme…“
Teil 13. Pamukkale: Die Onyx-Fabrik
Teil 14. Pamukkale: Hierapolis und die Kalksinterterrassen
Teil 15. King Cezar – die letzte Fahrt
Teil 16. Marmaris – ein kleiner Rückblick
Teil 17. Das Nachspiel, oder: Wie wir den Türken abzockten…

 

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