Motorradtour nach Würzburg II

Motorradtour nach Würzburg II

Iphofen

Am nächsten Morgen sitzen wir nach dem Frühstück noch ein wenig draußen, mit dem Blick auf den idyllisch rauschenden Teich. Der Tag verspricht, ein warmer zu werden, auch wenn es jetzt am Morgen noch erfrischend kühl ist.

Wir steigen auf unsere Mopeds und tauchen wieder ein in die kurvig geschwungenen Landstraßen.Doch die anfangs angenehme Wärme weicht schon bald einer drückenden, belastenden Hitze. Während der Fahrt bringt noch ein lauer Wind ein wenig Erleichterung, doch am schlimmsten ist es bei den Ampelstopps. Die Sonne brennt vom Himmel und während wir stehen und warten, breitet sich die Hitze unter unseren Helmen und der Schutzbekleidung aus, bis es endlich auf grün schaltet und der Fahrtwind sie wieder vertreibt.

Gold-gelbe Getreidefelder ziehen sich rechts und links entlang, und am Straßenrand, dort, wo das Getreide weniger wird, blühen Kornblumen wie leuchtend blaue, kleine Köpfchen. Unterbrochen wird all das Gelb von grünen Waldflächen, Hügeln und Wiesen.

Unser erster Halt ist Iphofen, der Schmerzmittel-Ort. Durch ein massives Stadttor, das an sich schon einem Sehenswürdigkeit darstellt, gelangt man in das Ortsinnere.

In Iphofen findet an diesem Tag eine Festivität statt, das Marktplatz-Winzerfest. In der Mitte des großen Platzes sind Bankreihen aufgestellt worden, und um den Platz herum gibt es Stände mit Bier, Bratwurst, Wein und Steaks… Doch die beiden braven Motorradfahrer begnügen sich mit je einer Flasche Cola und  setzen sich in den Schatten eines der vielen Sonnenschirme.

Auf der aufgebauten Bühne in der Mitte spielt ein Orchester irgend etwas, das wohl als Musik der 50-er Jahre durchgehen soll, und eine Sängerin steht da mit ihrem Petticoat-Kleid und vollführt ihre Liedchen. Immer mal wieder lässt sich begeistertes Klatschen der älteren Herrschaften vernehmen. Denn: der Altersdurchschnitt der Menschen, die wir hier sehen, lässt sich auf etwa 60 Jahre zusammenfassen. Es sind ältere Damen und Herren zu sehen – und Kinder. Wo ist denn die Generation der zwanzig- bis dreißigjährigen geblieben? Das macht nachdenklich, Deutschland stirbt aus.

Die Hitze macht uns auch im Schatten zu schaffen. Die Jacken können wir noch ausziehen, doch die schweren Hosen mit den Protektoren und die dicken, hohen Stiefel tragen ihr Übriges zum allgemeinen Hitzestau bei. Ständig besprühe ich Stefan und mich mit dem Thermalwasser, um uns ein wenig Abkühlung zu verschaffen. Doch schon bald trinken wir unsere Cola aus und schwingen uns wieder auf’s Moped.

Winzerfest in Iphofen

Marktbreit

Das „Schloss“ am Wasser, welches ich auf der Hinfahrt gesehen zu haben glaubte, entpuppt sich als das Maintor, und es liegt auch nicht in Marksteft, es liegt in Marktbreit, was die Suche ein wenig erschwert. Doch so sehr auch wieder nicht, denn schon nach kurzer Zeit haben wir es auch schon entdeckt.

Marktbreit, am Main gelegen, muss einen ebenso schönen Ortskern haben wie Iphofen. Die Lage ist wunderbar, auf der einen Seite die Gewässer des Mains, auf der anderen direkt an der Landstraße, das pittoreske Gebäude, welches sich im stillen Wasser eines kleinen Teichs spiegelt. Kein Wunder, dass mich der Anblick am Abend im Licht der untergehenden Sonne dermaßen verzaubert hatte.

Wir steigen ab und gehen näher an die Anlage heran. Der „Teich“ ist in Wirklichkeit gar kein Teich, sondern ein Kanal, der an dieser Stelle etwas breiter verläuft; er zieht sich in Richtung des Ortsinneren weiter und eine kleine, gerade Holzbrücke verbindet die beiden Ufer miteinander. Wir überqueren die Brücke und setzen uns auf eine Bank. Diesmal köpfen wir einen unserer Red Bull. Um uns herum ist eine kleine Grünanlage errichtet worden, und wir sitzen an der Stadtmauer auf einer Bank im Schatten der Bäume. Hohe Malven blühen und schmücken die dicht bewachsenen Ufer des Kanals; auch viele andere bunte Blumen recken ihre Köpfe im Gras empor. Auf dem gepflegten Rasenstück vor uns steht eine Bronzeskulptur, die drei Kraniche (?) darstellt, in einem dichten, farbenfrohen Bett aus Wiesenblumen. Ein Vogel singt immer wieder die gleiche Melodie und ab und zu kommen Spaziergänger vorbei. Es ist ein schöner und entspannender Ort, und selbst die Straße, die ein Stück weiter verläuft, stört die Idylle nicht.

Aber die Hitze… ja, die schafft es auch hier.

 

Würzburg

Würzburg zeigt sich von seiner schönsten Seite. Mehrere Brücken ziehen sich über den Main und verbinden die Bezirke der Stadt miteinander, die schön und prächtig in der prallen Sonne stehen. Wir überqueren die Löwenbrücke und steigen seitlich davor im Schatten der Bäume ab. Das Schloss, hoch oben auf dem Hügel, residiert über der Stadt  und auf dem Main herrscht reger Schiffsverkehr.

Hier, im Schatten der Bäume, lässt es sich leben. Stefan bevorzugte es auch, hier zu bleiben, während ich in schweren Stiefeln nochmal auf die Brücke stampfe. Ich will Bilder: vom Schloss, vom Main und von der Stadt. Von hier oben kann ich ein Stück weiter bereits die Altstadt mit seinen prächtigen Häusern sehen. Ach wie gern würde ich jetzt zur Abkühlung hinunter in den glitzernden Strom springen!

Später in der Stadt lasse ich Stefan draußen am Tisch eines Lokals im Schatten sitzen und mache mich auf zu meiner Erkundungstour. Diese ist allerdings zeitlich begrenzt. „Wie lange brauchst du? Eine halbe Stunde?“ Ähm… nein… eine Stunde mindestens…

Würzburg, von der Löwenbrücke aus gesehen.

Im Stift Haug Münster fragt mich beim hinausgehen eine Besucherin, ob es denn nicht zu heiß sei in der Lederhose. „Sie gehen doch sicher ein!“
„Ich würde ja gern behaupten, die Hose sei luftiger als sie aussieht, doch nein… das ist nicht der Fall.“ Ich lache, die Frau schaut verständnisvoll.

In der Kirche wäre ich gerne geblieben. Obwohl innen sehr schlicht ausgestattet, ist sie wohl mit Sicherheit der kühlste Ort in der ganzen Stadt. Doch ich habe nur eine Stunde Zeit, danach wollen wir uns für die Rückfahrt bereit machen. Ich schlappe also wieder hinaus in die Sonne. Die Blicke anderer Passanten erklären mich eindeutig für verrückt. Das ist Motorradbekleidung, ihr Ignoranten… – denke ich mir.

Stift Haug

Nach einer Runde zur Fuß komme ich an der Marienkapelle an, die ich schon bei unserer Ankunft flüchtig gesehen hatte. Die Kapelle ist direkt am Marktplatz gelegen, an dem gerade der Grüne Markt und der Spezialitätenmarkt stattfinden, mit allerlei Selbstgeschnitztem und -gehäkeltem für zu Hause. Doch gemütlich hindurch schlendern ist nicht drin, denn meine „Stunde“ verrinnt; und so spare ich mir diesmal die Besichtigung der Kapelle. Am Markt angekommen begnüge ich mich mit ein paar Fotos. Die prachtvoll verschnörkelte Rokoko-Fasade des Falkenhauses, im Mittelalter Sitz des Dompfarrers, hat es mir besonders angetan.

Das Falkenhaus; eine der schönsten Rokokofassaden in Süddeutschland.

Der Besuch in Würzburg… Ich hatte nicht wirklich einen Eindruck von dieser schönen Stadt bekommen können. Mit der Uhr im Nacken kam ich wieder am Tisch des Restaurants an; wir zahlten und fuhren nach Hause. Das war Würzburg. Ich ringe mit mir, ob ich noch einmal hierher kommen soll – diesmal mit dem Zug…

Grüner und Spezialitätenmarkt

3 Gedanken zu „Motorradtour nach Würzburg II

    1. Hallo Maximilian, vielen Dank! Der Besuch in Würzburg war gefühlt viel zu kurz gewesen. Was ich persönlich gerne mal erleben möchte, ist das African Festival, welches zweimal im Jahr in der Stadt stattfindet, mit afrikanischem Tanz, Snacks und Musik. Und auch der Weinkeller hoch oben auf der Festung soll zu den schönsten der Welt gehören…

      1. Danke für die Antwort, war schon 2 mal auf dem African Festival ist zwar immer sehr voll aber lohnt sich definitiv vor allem Abends gibt es jede Menge Shows und Essenstände.

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