Tot (-getrampelt) in Venedig

Tot (-getrampelt) in Venedig

Venetien, Juli 2014

Meine Aufregung ist groß. Als die Fähre anlegt, schicke ich, weil ich dieses erhabene Gefühl unbedingt mit jemandem teilen möchte, eine Sms an Vanessa: „Ich bin in Venedig!“ Ich mache Fotos, zögere, weiter zu laufen. Ich bin wirklich hier.

Doch gleich an der Promenade kam dann die Ernüchterung.

Es müssen hunderte; ja tausende gewesen sein. Wir sehen zuerst sie; erst dann sehen wir die Stadt. Sie kommen von vorne auf uns zu, schieben uns von hinten an, streifen uns links und rechts, als sie sich an uns vorbeidrängeln…

Die Venedig-Touristen. Und ich mittendrin. Eine von ihnen.

Stefan hatte mich bereits vorgewarnt, dass es zur Hauptsaison besonders schlimm werden würde. Doch so habe ich es mir nicht vorgestellt. Wie die zierlichen Brücken das Gewicht dieser Menschenmassen Tag für Tag aushalten können, ist mir ein Rätsel.

Ich versuche, einige Aufnahmen vom Dogenpalast zu machen, ohne allzu viele Köpfe im Bild; geben es dann schließlich auf und folge Stefan, der mich zum Markusplatz führt. Dort setzen wir uns auf die Stufen und lassen den Blick über die schmucken Bauten rundherum und die vielen menschlichen Wadenpaare vor uns schweifen.

Tauben füttern soll ja längst verboten und mit hohen Geldstrafen belegt sein – jedoch gibt es, wie ich beobachten kann, an fast jeder Ecke einen Händler, der diverse Samentütchen in den Händen hält. Und die Menschen (…Unwissenheit? Ignoranz?) präsentieren stolz ihre „einmaligen“ Venedig-Bilder, voller Schwingen, Klauen und gieriger, fordernder Schnäbel.

„Das hier ist der Markusplatz.“ Klärt mich Stefan auf. Ach so, das ist es? Ich blicke mich um, lasse meinen Blick über die Menschen, über die Bauten rundherum streifen. Ja, ansehnlich, aber…

Ich habe schon so viel über diese Ort gehört und gelesen. Einmalig solle er sein, einen fast morbiden Reiz auf seinen Betrachter ausüben.  Doch nichts von alledem kann ich in diesem Moment hier entdecken. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschenmenge, die hier dicht an dicht entlang wandelt, einen freien Blick auf den Platz unmöglich macht.

Zwischendrin stehe ich auf, dränge mich an den Menschen vorbei, fotografiere den Markusdom, dann setze ich mich wieder neben Stefan hin. Wir sitzen da. Schauen. Saugen die Atmosphäre auf, die nicht da ist.

Irgendwann stehen wir auf und laufen zurück zur Fähre. Wir sind beide erledigt, fühlen uns erdrückt. Es ist, als pressen die Massen an Menschen durch ihre bloße Anwesenheit die ganze Kraft aus mir heraus.

Aber ich will an einem anderen Tag wiederkommen. Ich habe nicht das Gefühl, die Stadt wirklich gesehen zu haben. Ich weiß noch, damals, 2012… Florenz hatte mich verzaubert. Vielleicht wird es Venedig ja auch noch schaffen…

 

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